Protokoll vom 26.08. 2026

Lieblingsweine aus den Kellern der Weingeschwister

Zum wiederholten Male stiegen einige unserer Weingeschwister in die Tiefen ihrer Weinkeller und offerierten, was ihnen zu diesem Thema eine Präsentation wert schien.

Lieblingsweine oder ausgewählte Weine?

Nicht zum ersten Male wurden den einzelnen Ausführungen von den Auswählenden unisono Bemerkungen zur Klassifizierung „Lieblingsweine“ vorangestellt – zu Recht. Denn welcher Wein schafft es wohl langfristig in diese Kategorie?

Einmal abgesehen von jenen Sternen am Himmel der Winzerkunst, die Namen wie „Petrus“, „Bolgheri Sassicaia“, „J. J. Prüm“ oder „Umathum“ tragen, um nur einige zu nennen. Sie hätten es zwar verdient, Lieblingsweine zu sein, schaffen es aber allenthalben – sei es aus pekuniären Gründen oder aufgrund anderer praktischer oder emotionaler Erwägungen – nicht auf die Liste.

Insofern wäre als Titel der Probe vielleicht eher

„Ausgewählte Weine der Weingeschwister“

angebracht und zutreffender. Zumal diese Bezeichnung keinem der Referenten zweifelhafte Kategorisierungen zuweist, bei zukünftigen Veranstaltungen zwanglos andere Optionen offenlässt und niemanden dem Verdacht aussetzt, seine Lieblinge wie die Hemden zu wechseln.

Wie ein nicht genannt werden wollender Proband bemerkte:

Treu bleibt man, wenn es gut läuft, nur der eigenen Frau – auch wenn sie vielleicht nicht immer die „Geliebte“ ist.

Genug der Präliminarien!

Peth-Wetz Winzersekt

Ausweislich der beigefügten Verkostungsliste startete der Kellermeister mit einem deutschen Winzersekt aus dem Hause Peth-Wetz: einer straffen Cuvée aus Chardonnay und Pinot Noir, hergestellt nach klassischer Schaumweinmanier.

Allemal ein weiteres Beispiel deutscher Versektungskunst, dem zum Champagner nur der Markenschutz im Wege steht. Da sind alle Ingredienzien und Kriterien der „méthode champenoise“ bedacht – aber es darf eben nicht „Champagner“ auf der Flasche stehen, auch wenn sich qualitativ durchaus welcher darin befindet!

Morillon aus der Südsteiermark

Der Bruderschaftsmeister wartete als Nächstes mit einem Chardonnay aus der Südsteiermark auf, der dort unter der Bezeichnung „Morillon“ auf den Markt kommt.

Dies ist der Reblaus geschuldet, die auch diese Weinbauregion am Ende des 19. Jahrhunderts nicht verschonte und die Winzer auf ihrer Suche nach robusterem Rebengut in das französische Örtchen Morion führte.

Über die Zeiten mutierte der Name zu „Morillon“. Heute gilt er als der Chardonnay der „österreichischen Toskana“, wo er in der Region Kitzeck-Sausal – in diesem Fall auf uraltem phyllitischem Schiefer – prächtig gedeiht und seinen Ruf als Alleskönner stetig festigt.

Dreissigacker Weißburgunder

Manfred Michel brachte mit dem 2025er Dreissigacker Weißburgunder aus dem rheinhessischen Bechtheim einen in Handarbeit und biodynamisch ausgebauten Wein mit feingliedriger Säure und erfreulicher Frische in die Gläser, der durch seine Geradlinigkeit imponierte.

Dem studierten Architekten war neben dem Wein auch die ebenso imposante Struktur der neuen Kellerei und Vinothek eine Empfehlung wert.

Delaire Graff Chardonnay Reserve

Zu den Dingen, die Hans-Jürgen Ruffert mit Südafrika verbindet, gehören nicht zuletzt die Weine, von denen er an diesem Abend zwei überzeugende Beispiele präsentierte.

An erster Stelle stand der 2024er Chardonnay Reserve des Weinguts Delaire Graff aus Stellenbosch. Er kommt mit der intensiven Charakteristik so vieler Chardonnays der Südhalbkugel daher und unterscheidet sich grundlegend, beispielsweise vom zuvor verkosteten steirischen Morillon.

Der Zusatz „Reserve“ gibt bereits einen Hinweis auf die Einordnung dieser imponierenden Kreation.

Sémillon vom Weingut Kruger

Wie immer profund präpariert, hatte Günther Kretzer eine in deutschen Regionen äußerst rare Rebsorte mitgebracht: einen 2022er Sémillon feinherb vom Weingut Kruger an der Nahe.

Den Liebhabern französischer Süßweine wie Sauternes ist diese klassische französische Rebsorte keineswegs fremd. Sie ist eine enge Verwandte des Sauvignon Blanc, und ihr Name leitet sich möglicherweise von Saint-Émilion ab.

Das berühmteste Beispiel ist vielleicht der Sauternes des Château d’Yquem. Der vorgestellte Wein beeindruckte durch seine feine Fruchtigkeit.

Avant Garde Réserve Spéciale

Stanislaw Konzal brachte mit der 2019er Avant Garde Réserve Spéciale einen weiteren prominenten französischen Weinmacher ins Gespräch: die Domaine Barons de Rothschild Lafite.

Nun ist die Cabernet-Sauvignon-Merlot-Cuvée sicherlich nicht zu den Grand Crus des Bordelais zu rechnen. Der Wein überzeugt jedoch mit seiner eleganten Würze, feinen Tanninen und einem anhaltenden Nachhall.

Anthonij Rupert Cabernet Franc

Zum Ende der Probe folgte der zweite der „Afrikaans“: Anthonij Rupert’s 2019er Cabernet Franc aus den Weinbergen am Fuße des Tafelbergs.

Er kommt schon in Aufmachung und Etikett wie ein klassischer Bordeaux daher – allerdings stammt er aus den historischen Lagen der Franschhoek-Weinberge.

Ein reinlagiger Cabernet Franc, der auch manchem französischen Winzer zur Ehre gereichen würde – „built to last“, wie man zu sagen versucht ist.

Der Wein ist auf Lagerfähigkeit ausgelegt, und das ist auch das Einzige, was man ihm anlässlich dieser Probe vorwerfen kann: Er ist noch zu jung – und dennoch schon erstaunlich trinkfähig, mit reichlich Anmutungen dunkler Beeren und vielen Gewürznoten.

Dass ein solcher Wein seinen Preis hat, ist offensichtlich und berechtigt. Allemal aber bildet er den Kulminationspunkt einer kontrastreichen und unterhaltsamen Weinprobe.

Ein weiteres Highlight

Nicht nur die anwesenden Weingeschwister hoffen auf weitere Editionen. Auch das Ehepaar Nele und Torsten stellte spontan den Antrag auf Aufnahme in unsere Bruderschaft.

Noch ein Highlight – herzlich willkommen!

Zu guter Letzt darf nicht unerwähnt bleiben, dass ein guter Teil der Weine Spenden der Vortragenden waren.