Protokoll vom 29.06. 2026

3 Tage in der „kleinen Pfalz“………

…..zu Wittelbachs Zeiten nannte die damals bayerische Pfalz die Weinbau-Region Franken ebenso!!!

Womit man mal wieder merkt, dass so manche Vergleiche des Öfteren an lokomotorischen Unzulänglichkeiten leiden!

Dessen erinnerte sich auch der Chronist, als er in seiner Dankesrede an die Juniorchefin des Weinguts Horst Sauer auf die abwegige Idee kam, die Winzerin mit denen der vergangenen Nahe-Exkursion 2025, Familiennamens Weber und Diel, vergleichen zu wollen.

Gott sei Dank fiel ihm noch früh genug ein, dass man als männlicher Weltbürger derartige Vergleiche zur Wahrung des öffentlichen – und des eigenen Seelenfriedens – coram publico scheuen sollte. Gilt doch für die Y-Chromosomer das in Stein gemeißelte Gesetz:

Alle weiblichen Wesen sind unvergleichlich!

Eines muss man den hier in Rede stehenden Sandra, Laura und Caroline aber lassen: Vom Weinmachen verstehen – nicht nur! – die genannten Damen erfreulich vieles! Wobei wir das Licht des Julius Straub vom Weingut Hans Wirsching nicht unter den Scheffel stellen wollen – aber der hat ja keine X-Disposition!

Womit wir das Pferd, das vom 29. Juni bis zum 1. Juli zum Behuf der Erkundung mainfränkischer Weine gesattelt wurde, fast von hinten aufgezäumt haben!

Aufbruch ins Land der Bocksbeutel

Also Pegasus, zurück auf null und der Reihe nach:

18 sommerlich gestimmte und gewandete Weingeschwister machten sich montäglich in dreierlei Vehikeln auf den Weg ins Land der Bocksbeutel. Eine zweispännige bayerische Vorhut hatte schon am Vortag Quartier im „Feldlager“ Tuchhaus in Volkach gemacht.

Des Verweilens dort bedurfte es nicht, harrte doch schon der Gruppentransport nach Iphofen in die trefflich bereiteten Räumlichkeiten des ehrwürdigen VDP-Weinguts Hans Wirsching, das seit 1630 der Kunst des Weinmachens auf nunmehr 100 Hektar nachgeht.

Auf den renommierten Lagen Julius-Echter-Berg, Iphöfer Kalb und Kronsberg gedeihen in den für die Region prägenden Gipskeuper- und Muschelkalk-Gesteinsabfolgen neben den überwiegenden Silvanern auch Rieslinge, Weißburgunder, Chardonnay, ein wenig Grauburgunder, Scheurebe, Bacchus sowie Spätburgunder und Dornfelder.

Zu Gast beim Weingut Hans Wirsching

Der mundfertige Moderator spannte den Bogen vom 2025er Gutswein Blanc de Blanc trocken über die Erste Lage des Jahrgangs 2024, Kalb Silvaner Alte Reben, bis hin zum 2021er Iphöfer Julius-Echter-Berg Silvaner GG. Mit reichlichen Abstechern in die Rieslingweine hatte er manches Erleuchtende zu Terroir und Kellerkunst zu berichten und sparte auch Cuvée-Auslesen nicht aus.

Am Ende, das nach fast vier Stunden an der Verkaufstheke nahte und dem ein umfänglicher fränkischer Spezialitätenimbiss vorangegangen war, hatte der Chronist die Übersicht verloren:

Waren es nun die versprochenen zehn Weine, die verkostet wurden, oder doch eher 13 oder 14, die individuellen Wünschen folgend ausgeschenkt wurden?

Es ist, wie der Wiener sagen würde, „eh wurscht“. War es doch über alle Maßen gelungen und zum Wohlgefallen aller Bocksbeutler – auch wenn diese „Silvaner-Flasche“ manche Weinfreunde vor Aufgaben und Probleme diverser Gestalt stellt.

Fränkische Küche und bajuwarische Reparaturtrünke

Die deutsche Unart, Wirte, Barbiere etc. an Montagen aus „dem Gedinge“ zu entlassen, trieb die muntere Truppe auf die Terrasse des Gasthauses des ehemaligen Augustinerklosters inmitten des Steigerwaldes.

Wie sich weisen sollte, eine weise Wahl unserer Secretaria, die den Weingeschwistern weiteren umfangreichen Zugriff auf „Schäufele“ und sonstige Spezialitäten der fränkischen Haute Cuisine verschaffte.

Allerdings griffen da einige zu typisch bajuwarischen Reparaturtrünken. So gerüstet ertrugen einige DFB-Adepten ohne großen Zorn das schmähliche Scheitern der so hochgepriesenen ehemaligen viermaligen Weltmeister im Innenhof des Tuchhauses – dort aber wieder mit Qualitätsweinen!

Merke: VDP schlägt DFB!

Kulturprogramm in Kitzingen

Kultur muss sein, und so galt nach einem reichhaltigen Frühstück der Vormittag des Folgetages der Kreisstadt Kitzingen und ihrer Altstadt.

Nachdem mit teils gewagten Manövern zentrale Parkplätze nahe des Mainufers erobert waren, relativierte sich der Bildungsdurst ob der steigenden Temperaturen massiv – und ein Gros der Expeditionsteilnehmer fand sich in einer Eisdiele wieder!

Wie dem auch sei: Man war allgemein dankbar für die gekühlten Karossen und den malerischen Weg entlang des Mainlaufs nach Escherndorf zum Weingut Horst Sauer.

Womit wir wieder am Beginn dieser Erzählung sind!

Zu Gast beim Weingut Horst Sauer

Empfangen wurden wir nicht nur von den zwei Töchtern des Hauses, sondern auch von einer architektonisch beeindruckenden Vinothek und einem nicht weniger imponierenden, restaurierten Kellergewölbe. Dieses war gefüllt mit zahllosen Trophäen und Auszeichnungen, die vom erfolgreichen Tun der VDP-Winzerfamilie Zeugnis ablegen.

Nicht ohne Grund ist man im Hause besonders stolz auf den Gewinn des Feinschmecker Riesling Cups mit dem „Lumpen Riesling GG“ – und das als Franken!

Auf 20 Hektar gedeihen auch hier die in Franken „üblichen Verdächtigen“, in der Hauptsache Silvaner und Riesling, zusätzlich allerdings auch einiges an Müller-Thurgau.

Was die erstgeborene diplomierte Winzerin nach der ebenfalls erwähnenswerten Fränkischen Vesper – charmant serviert von der nachgeborenen studierten Kauffrau – dann in mehr als drei Stunden zu bieten hatte, war nicht nur önologisch beeindruckend, kurzweilig und von hohem Sachverstand getragen. Auch die optische Gestaltung der Vinothek war ein Genuss für alle Sinne:

Corporate Identity at its best!

Wieder wurden die beprobten Weine nicht gezählt, und der Chronist wäre schlecht beraten, wenn er „Escherndorfer Lump“, „Escherndorfer Fürstenberg“, „Escherndorfer Am Lumpen“ usw. einer vermeintlich wertenden Betrachtung unterwerfen würde.

Nur so viel: Alle beeindruckten auf ihre Art und zeugten von den Überzeugungen ihrer Schöpfer. Das gilt auch für den Blauen Silvaner und insbesondere für den abschließenden „Sehnsucht“ – mit 0,8 g/l Restzucker!

Zu Recht VDP und sicher ein würdiger Vertreter mainfränkischer Winzerkunst.

Ein Abend in Volkach

Nach kurzer Rückreise ins Volkacher Quartier blieb ein wenig Zeit zur Erkundung des historischen Stadtkerns und – für einige – einer erstaunlich international sortierten Vinothek neben der Lokalität des wiederum fränkischen Abendessens.

Das Hinterhöfle ist eine Institution, gerühmt für die regionale Küche – Schäufele etc. – und das einmalige Ambiente.

Nach umfänglichen Reparaturtrünken blieb noch Zeit, vor der „Genießerei“ am Brunnen einige der Weine des Tages einer letzten kritischen Würdigung zu unterziehen.

Würzburg und die Sektkellerei Höfer

Was wäre eine Reise nach Mainfranken ohne den Besuch von Würzburg?

Der Kellermeister hatte dafür eine Probe in der Sektkellerei Höfer in den historischen Gewölben der Würzburger Hofbrauerei organisiert.

In den aufwendig restaurierten Baulichkeiten werden seit mehr als 30 Jahren nicht nur Sekte regionaler Weingüter produziert. Vielmehr haben die Besitzer ihre eigene Marke entwickelt und vermarkten in traditioneller Flaschengärung erzeugte, reinlagige Sekte auf der Basis regionaler Rebsorten.

Auf dem Weg dorthin wurden die Weingüter Wirsching und Sauer zwecks Zuladung der erstandenen Weine ein weiteres Mal angesteuert. Erfreulicherweise wurden von beiden erkleckliche Rabatte eingeräumt!

Nach einer beeindruckenden Führung, die dem Produktionsablauf folgte, wartete die Verkostung von sechs Sekten der Kategorie „Prestige“.

Ohne Zweifel präsentieren sie das inzwischen beachtliche Niveau deutscher Winzersekte und Schaumweinproduzenten. Mit einer stetig steigenden Verbleibzeit auf dem Hefelager geht erklärlicherweise auch eine signifikante Preissteigerung einher, die allerdings im Vergleich zwischen Winzersekt und Versekterei nicht immer verständlich ist.

Sonnig und wohlgestimmt nach Hause

Nach dem Verzicht auf den Besuch eines der einschlägigen Weinspitäler der Stadt und die weitere Aufnahme fränkischer Küchenkunst wandte sich die Expedition gen Norden.

Sie beendete die Kurzreise, wie sie begonnen hatte:

sonnig und wohlgestimmt!