Protokoll
Ausgewählte Rhône – Weine
Runde 800 km fließt die Rhone von dem gleichnamigen Gletscher im schweizerischen Wallis auf den Weg durch den Genfer See quer durch das Zentral-Massiv nach Lyon und dann nach Süden bis zu seinem Mündungs-Delta südlich Arles. Fast scheint es, als würden sich die Schönheiten der Landschaften der Schweizer Alpen, des Massiv Central, der Ardèche, der Provence und der Carmargue in seinen Weinen kumulieren!
Die französischen Weinbau-Gebiete des nördlichen Rhone-Tals südlich Vienne (ca. 5.000 ha) und des südlichen Rhone-Tals südlich Montélimar (ca. 55.000 ha) beheimaten 5.500 Winzer, die im Mittel jährlich 2.5 mio hl Wein – davon 95% Rotwein – produzieren.
Von den zugelassenen 21 Rebsorten sind 13 rot, runde 60 % Grenache im Süden und ausschließlich Syrah im Norden. Vorwiegende weiße Rebsorten sind Viognier und eine weiße Grenache-Mutation.
Während im Norden granitische Gesteine das Terroir prägen, wechseln im Süden schwere Tonböden in Gigondas mit sandigen und steinigen Flussablagerungen rund um Chateauneuf-du-Pape. Auch fehlen kalkige Partien nicht.
Das mediterrane Klima ist geprägt von heißen, trockenen Sommern und milden feuchten Wintern und beeinflusst durch die kräftigen kalten Winde des aus den Alpen blasenden Mistral. Zum Schutz sind zahlreiche Weinberge eingefriedet („Clos“).
Für unsere Probe hat der Kellermeister überwiegend Weine der südlichen Region ausgewählt. Sie stammen aus einigen der bekannten Gebieten wie Côtes de Vivarais, Côtes du Rhone-Villages, Lirac, Tavel, Chateauneuf-du-Pape, Vacqueyras, Gigondas, Coteaux de Trigastin, Côtes du Ventoux und Côtes de Lubéron.
Aus dem UNESCO Biosphären Park Mont Ventoux stammt – Totgesagte leben länger!!-
- 2023 IGP Viognier Mediterranée von Les Vignerois des Ventoux in Bedoin, 40 km östlich von Orange. Die Viogniertraube war zu Beginn der 70er Jahre auf weltweit etwa 14 ha reduziert. Seit 1990 erlebt sie eine Renaissance – nicht zuletzt auch durch ihren Export in überseeische Weinbau-Regionen – und ist heute die dominierende weiße Rebsorte an der nördlichen Rhone. Die Traubensorte ist genügsam bei geringem Wasserbedarf und gedeiht auch in heißen Klimazonen. Die Weine erreichen in der Regel hohe Alkoholgehalte ab 13%. Der Viognier-Weinberg des Weinguts VMV umfasst etwa 25ha auf dem Südhang des Mont-Ventoux auf tonig-kalkhaltigen Terroir.
Im Glas zeigt der Wein eine strohgelbe Farbe mit grünen Reflexen. In der Nase Anmutungen von Pfirsichen, Zitrus, Papaya, Passionsfrucht und ein wenig Veilchen, auf der Zunge cremig, samtig mit diskreter Restsäure dicht mit Noten von Kräutern, im Abgang mineralisch persistent. Für einen einjährigen Wein sehr harmonisch und balanciert – wohl komplett durchgegoren. Erstaunlich der Preis bei ab 6€, der 21er erzielt mehr als das doppelte!
Als optimale Reichweite werden 5 Jahre angegeben.
- Im Jahr 1984 verfügte die Gemeindeversammlung von Chateauneuf-du-Pape zum Schutze ihrer Weinberge ein allgemeines Landeverbot für unbekannte fliegende Objekte! Diese Anordnung hat bis heute Bestand. Einer der großen Winzer in dieser wohl bekanntesten Rhone-Appellation ist Aimé Sabon in Courtezon, der seit der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts gemeinsam mit seinen Kindern aus seinen bis zu hundert Jahre alten Rebstöcken neben dem berühmten „Roten“ am Rande der Lage auf insgesamt 5 ha mit 2023 Côtes de Rhône Domaine de la Janasse eine Cuvée aus 50% Grenache blanc, 15% Clairette, 15% Bouboulenc, 10% Viognier und 10% Roussanne mit 13,5% alc. zelebriert. Das sandig-lehmige Terroir entspricht dem der Roten. Die jeweiligen Moste werden einzeln vinifiziert, gereinigt und verbleiben nach den Verschnitt 6 Monaten auf der Hefe und resultieren in einem voluminösen, niedrigsäurigen strohgelben mineralischen Wein mit Anmutungen von Steinobst, Ananas, Zitrone und grünen Äpfel mit großer Dichte, guter Harmonie und nachhallendem Abgang. Der seinem Namen wie so oft gerecht werdende Lobenberg versteigt sich für den 2022 Jahrgang in die Kategorie „historisch groß“!! Mit Preisen um die 15€ ist der Wein gerecht bewertet.
Beide ohne Zweifel typischen Rhône-Weine sind als 2023-Jahrgang überraschend „erwachsen“ und harmonisch, wenn man sie – zugegebenermaßen vereinfachend – mit jungen Weißweine vieler deutscher Provenienz vergleicht! Das mag einerseits an den Rebsorten liegen, hauptsächlich aber wohl den klimatischen Eigenheiten und den Terroir des südlichen Rhône-Tals geschuldet sein. Einerseits sind die Böden eher karg und bieten mangels geringer Niederschlagsmengen weniger gelöste verfügbare Mineraltracht. Andererseits ist die Summe der Tage mit hoher Sonneneinstrahlung und deutlich höheren Durchschnittstemperaturen maßgeblich für die Traubenentwicklungen und die daraus resultierenden höheren Oechsle-Grade im Most. Folglich zeigen diese Weine gemeinhin selten die uns so vertrauten Säurespitzen junger Weißweine.
Bevor Bruderschaftskanzler Arnold seine Weinbesprechung begann, ordnete er das Auditorium sozusagen erst einmal ein und lokalisierte die Weinbau-Region auf der Karte Frankreichs und wies die besprochenen Weingüter aus. Dazu hatte er einiges Statistische in Sachen Produktion zu vermerken. Die Abbildungen sind auf der Homepage in diesem Protokoll hinterlegt.
Sein Vermentino Les Grains 2023 Appelation Mediterranée der Winzergemeinschaft Marrenon, bestehend aus etwa 1.200 Winzern, die zusammen 7.600ha nördlich von Aix en Provence weckt Reminiszenzen an bekannte Regionen diese Reben auf Sardinien und auf dem südlichen Stiefel. Mit 13.5%alc. ist das ein frischer, aromatischer knackiger Wein mit Zitrusnoten aus 100% Rolle, dem provenzalischen Namen der Vermentino-Traube. Wenn man will ein sympathischer Zeitgenosse, der Wohlbefinden befördert, aber keine Bäume ausreißt!
Da hat Roussanne Les Vignes dà Côté 2023 Appelation Collines Rhodaniennes des Weinguts Yves Cuilleron aus Chavanay schon deutlich mehr zu bieten. Diese Rebsorte wird weltweit nur auf etwa 2.000ha, davon 1.500 südlich von St. Etienne, angebaut und gilt als Edel-Traube. Sie hat einen betonten Säuregehalt, der in der Regel sehr stabile und langlebige Weine mit blumigen Aromen und deutlicher Mineralität hervorbringen. Das Mikroklima der Ardèche und seine kalkreichen Böden prägen diesen frischen, aromatischen Wein mit markantem Abgang.
Bei den Rotweinen hatte der Kellermeister 4 renommierte Winzer ausgewählt, die das Tal der Rhône von südlich Lyon bis Orange präsentieren sollten, was selbst bei Namen wie Xavier, Ferraton und nicht zuletzt Guigal bei der Anzahl der Lagen und Appelationen ein schwieriges Unterfangen ist. Dazu ist die Regionen mit seinen vielfältigen Einflüssen in Terroir, Mikroklima, Rebsorten und Traditionen viel zu komplex! Eines aber gelang: zu zeigen, dass es außer den großen Lagen Croz-Hermitage, Chateauneuf-du- Pape, Côtes-Rotie, Saint Joseph etc., so manches zu Gefällige zu entdecken gibt – auch wenn das nicht immer ein Grand Cru sein muss!
2020 Côtes du Rhône Vin Rouge von Xavier Vignon aus Chateauneuf-du-Pape ist eine Cuvée aus je einem Drittel Mourvèdre. Syrah und Grenache: ein in Holz gereifter, rubinroter samtiger Rotwein mit leichtem Vanille, Brombeere und Lakritz, vielleicht etwas buttrig, in der Nase und auf der Zunge.
2022 Le Triporteur Rouge Appelation Vaucluse aus Orange ist eine Cuvée mit 70% Grenache und 30% Carignan, bei 14%alc. trocken und fruchtig mit roten Früchten wie Kirschen, Erdbeeren, und dunklen Komponenten wie Johannisbeere und Brombeere; ein Wein, der vom Kellermeister als „Hipster“ zitiert wurde: wozu sich Marketingleute alles hinreißen lassen…… auf jeden Fall! ist er im Markt ein Erfolg. Da Auditorium war reservierter……
Crozes-Hermitage La Matinière 2022 von Ferraton Père & Fils ist ein reinrassiger Syrah mit erstaunlichen 12.5%alc. und leichten Tanninen bei Sauerkirsch und Himbeeren- Anmutungen, durchaus trocken und mit leichtem Holzabgang. Hier zeigt eines der führenden Winzer sein Können!
Und zum Abschluss Côtes du Rhône 2020 aus dem Haus E. Guigal, der wohl zu den wichtigsten Weingüter der Rhone zu zählen ist, zumindest aber den größten!! Die Cuvée aus 60% Syrah, 35% Grenache und 5% Mourvèdre ist sicher nicht das Highlight des Hauses, was man aber bei dem genannten Preis nicht erwarten kann! Rote und schwarze Beeren, leichte Tannine, pfeffrige Noten, leichte Teeranklänge bei einem langen Abgang lassen insgesamt einen klaren Charakter vermissen. Daran ändern auch 15%alc. nichts!!
Der Fachmann staunt, und der Laie wundert sich: Bei dem, was diese Wein-Regionen zu bieten hat – und von dem die genannten Laien in realiter herzlich wenig erfahren haben – fällt es schwer, das wohlwissend skizzenhaft Vorgetragene einzuordnen! Diverse Kolloquien zum Thema wären erforderlich und wünschenswert! Wer schon einmal dort war, kann ermessen, welche önologische Weinschätze dort zu heben wären!! Künftige Weinbruderschafts-Generationen sind dazu aufgerufen! Bei unseren Reisen zu den „Wein-Flüssen“ Europas haben die altgedienten und vertrauten Regionen Rhein, Mosel, Nahe, Ahr, Main, Saale-Unstrut, Elbe, Donau, Saar, Loire, Tanaro und Ruwer (etc.) eine gewichtige Schwester bekommen – die Rhône!!
Ein Postscriptum sei erlaubt: Alle verkosteten Weine sind zu handelsüblichen Preisen zwischen 6 und 15 € am Markt verfügbar und somit, wenn man so will, sogenannte „Butter- und Brotweine“. Natürlich kann man auch „in die höheren Regale greifen“: Für nicht wenige Weinfreunde sind die Chateau-Neuf-du Pape- oder Saint Joseph- Lagen die besten Weine der Welt – was sich nicht zuletzt in entsprechenden Preisen niederschlägt. Aber wie in allen Weinregionen dieser Welt machen sie nur wenige Prozente der Produktion aus! Insofern war die getroffene Auswahl ein – wenn auch oberflächlicher! – realistischer Blick auf die Region. Man kann in einer Weinbruderschaft nicht immer nur Spitzenweine trinken, wenn man die Dinge verstehen will! Und im Vergleich zu Weinen aus den Regionen Bordeaux oder Burgund sind die der Rhône im Mittel allemal ein Schnäppchen!