Protokoll

G h v i n o…

(georgisch: Wein – etymologisch für vino/Wein)

Der französische Forschungsreisende Jean Chardin (1643…1713) war voll des Lobes über georgische Weine. Und wenn so ein Lob aus dem Munde eines Franzosen kommt ..!?

Und ein gewisser Jossib Dschughaschwili (alias Josef Stalin) wusste Winston Churchill anlässlich der Jalta-Konferenz mit grusinischen (georgischen) Cognac zu imponieren. Und der Letztere verstand nach Hörensagen was davon…..!!!

Über mehr als 8.000 Jahre lässt sich die Geschichte dieses globalen Kulturgutes in der vermutlichen Wiege des Weinbaus zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer verfolgen! Damals trotzten unsere alten Germanen, mitten in der Steinzeit in diverse Felle gehüllt und um ihre Feuerstellen geschart den Nachwehen der letzten Eiszeit! Selbst bis zum Genuss von Met sollte es bei unseren polnischen Nachbarn noch runde 3.000 Jahre dauern! Triste Zeiten für Freunde des Zechens!!!

Sehr bald hatten die Georgier damals offensichtlich den Bogen raus, wie man Rebensaft vergärt und Wein stabil hält. Damals wie heute bedienen sie sich dazu vorwiegend traditionell tönerner Amphoren („Qvevri“), die zur Stabilisierung der Temperatur eingegraben werden.
Die UNESCO hat die Herstellungsweise 2013 in den Rang eines immateriellen Kulturerbes der Menschheit erhoben.

Über 500 autochthone Rebsorten sind bekannt, von denen 38 für den Anbau in den 6 Weinbau-Regionen (24 Gebiete) zugelassen sind. Auf rund 50.000 ha werden jährlich etwa 2.000.000 hl Wein gewonnen, davon runde Zweidrittel Rotweine. 350.000 hl werden um Lande konsumiert – bei einer Bevölkerung von 3.8 Millionen ist das eine erstaunliche Pro Kopf-Leistung!!
Beitragen zu diesem Verbrauch mag die Tradition, für Neugeborene eine Amphore zu versiegeln und diese dann anlässlich der Hochzeit zu leeren – das wären dann jeweils zwei, was im Ernstfalle so Manche und so Manchen schöntrinkt…….

Unser Weinbruder Guenther Kretzer hat weder Zeit noch Mühen gescheut, um Geschichte, Handwerkliches und Kultur in der ihm eigenen Gründlichkeit zu studieren und zu Papier zu bringen. Auch die manchmal nicht einfache Beschaffung der flüssigen Belegexemplare ist ihm hoch anzurechnen. Nach mehrmaligen Testverkostungen – u.a. durch den Vorstand – verbunden mit einem opulenten Festmahl einschließlich Weincreme auf der Base von Mtsvane-Wein – präsentierte er, graphisch von dem Bruderschaftskanzler assistiert, dem staunenden Wein-Auditorium 4 weiße und 5 rote Repräsentanten, garniert mit Denk- und Merkwürdigem einer – noch!? – exotischen Weinkultur.

Wenn die „Roten“ den konventionellen Geschmacksparametern moderner Prägung im Wesentlichen nahekommen und entsprechend kommentiert wurden, erzeugten die „Weißen“ (eher „Orangenen“!) anfänglich ob der betonten Tannine doch eher stirnrunzelnde Ablehnung: das war dann doch eher etwas zu „exotisch“! Man lernt daraus, wie unsere Geschmäcker doch von Gewohnheiten geprägt sind, muss man doch davon ausgehen, dass diese traditionelle Art des Weinmachens zumindest bis in das 17. Jahrhundert auch im Rest Europas gang und gäbe war (siehe dazu auch den obigen Kommentar des Monsieur Chardin!)

Ohne Zweifel haben die alten Römer Amphoren-„Technologien“ genutzt, und noch heute finden sich in einigen mediterranen Regionen Produzenten von „Orange-Weinen“. Folgt man den Auguren und Experten der weinforschenden Zunft, so erleben „Orangen-Weine“ sogar eine Renaissance – siehe u.a. das Weingut Sohns im Rheingau.

Festzuhalten ist, dass das anfängliche Fremdeln mit diesen Weinen nach einer gewissen Annäherungsphase von steigenden „Aha“-  und „Oho“-Artikulierungen durchsetzt waren, und der Protokollant versichert, dass eine spätere Neigen-Probe noch positivere Resonanz hervorbrachte, und die Georgier auch mit mitteleuropäischen Winzerprodukten harmonierten – alles eine Frage der Gewöhnung!

Der staunende Schreiberling steht nicht an, die fundierten Ausführungen unseres Referenten mit seinen dürren Worten weiter zu kommentieren. Er ist sicher, dass Guenther Kretzer sein Manuskript Interessierten auf Wunsch zur Verfügung stellen wird. Nicht verhehlen kann und will der secretarius seinen höchsten Respekt vor der unendlichen Arbeit und der kurzweiligen Präsentation, die mit angeregter Diskussion und verdientem Beifall der leider in vergleichsweise geringer Zahl erschienenen Teilnehmer quittiert wurde.

Die Resonanz sollte allen Weingeschwister Ansporn sein, sich gelegentlich auch einmal „in die Bütt“ zu begeben!