In den steten Bemühungen die verehrten Weingeschwister für einen pro-aktiven Dialog in der Wein-Ansprache zu gewinnen, lud der Vorstand ein, Weine aus ihren Kellerbeständen in frei gewählter Form zu präsentieren.

Die Resonanz war ein manifester Beweis des Bemühens, anderen Mitgliedern den Vortritt zu lassen: Am Ende war nach wiederholter Erinnerung nur Weinbruder Olaf Krause willens, einen seiner Weiß-Weine zur Diskussion zu stellen. Dafür gebührt im Vorab herzlicher Dank!

Schlussendlich begaben sich Bruderschaftsmeister, Kellermeister und secretarius in ihre jeweiligen Depots, vermieden so einen kompletten Schiffbruch und stellten 20 anwesenden Mitgliedern folgende Weine vor:

  • Jutta & Olaf Krause: 2018 Weißburgunder Blankenhornsberger Doktorgarten VDP GG, 13.5%alc., Staatsweingut Freiburg, Kaiserstuhl
    Ein kräftiger, voluminöser Wein mit betonter Säure auf Löss und Vulkan-Verwitterungsgestein; diese Lieblingslage quittierte das Auditorium mit „saugut“!

Der Bruderschaftsmeister – in seiner Eigenschaft als geborener Pfälzer – blieb in seiner Wahl konsequent bodenständig und offerierte

  • Doro & Sigi Luger: 2021 HAARDT Riesling trocken 12.5%alc., Müller-Catois,
    Ortswein auf Sandstein und Letten mit kräftiger Säure, ein leichter eleganter Trinkwein, und
  • 2018 Edenkobener Bergel Chardonnay 13%alc., Adriane Moll, sur lie,
    danach im Stückfass   ausgebaut; fruchtig-frisch, angenehme Säure, mit hoher Komplexität und langem Abgang.
    Beides sind Weine, die ihrer Herkunft gerecht werden, Produkte ehrlichen Winzerhandwerks sind und einem gepflegten Weinkeller gut zu Gesicht stehen.

Der secretarius kann seine piemontesische Wein-Sozialisierung nicht verleugnen und beginnt seine Vorstellung mit einem kurzen Exkurs über die Region, seine Klimata und singulären Rebsorten Arneis und Nebbiolo.
In der Abteilung „weiß“ entkorkt er

  • Johanna & Werner Fiebiger: 2018 Roero Arneis „Quin“ DOCG 13,5%alc., Carlo Chiesa,
    einen komplexen trockenen Wein mit beginnender Altersnote, mineralisch auf der Zunge und im Abgang, ein Produkt des ökologischen Anbaus der Familie Chiesa nördlich des Tanaro-Flusses.

Den Reigen der Weißweine beschließt, wie bei den Spendern kaum anders zu erwarten

  • Gabi & Alf Weiss: 2018 Puligny Montrachet Les Levrons 1er Cru, 13alc., Berthelemot, Burgund
    Ein der Weinbruderschaft inzwischen wohlbekanntes und verkostetes Weingut durchaus singulärer Qualität. Dass dieser Wein in eine andere Liga gehört, ist unzweifelhaft. Preismäßig liegt er auch im mehrfachen Bereich der vorhergehenden Weine. Dafür bietet er aber auch das, was man von eine klassischen Burgunder dieser Ausprägung verlangen kann.

Bei den Rotweinen beginnen

  • Doro & Sigi Luger: mit 2019 Spätburgunder trocken 14 %alc., Johann F. Ohler, Pfalz,
    sortenreine Cuvée aus Königsbacher Engelber und Mußbacher Eselshaut, klassische Maische-Gärung im großen Stückfass ausgebaut. Intensiver Duft nach Waldbeeren und schwarzen Kirschen, Röst-Aromen, schlanke Säure und feine Eleganz. Ein ehrlicher Spätburgunder mit ebensolchen Preis-Leistungsverhältnis.

Den erneuten Sprung über die Alpen schaffen

  • Johanna & Werner Fiebiger: 2011 Nebbiolo „Monfriggio“ DOCG, 14%alc. Carlo Chiesa,
    ein hochkomplexer, tanninreicher, trockener und verschlossener Nebbiolo im Holzausbau, mit Noten von schwarzen Waldfrüchten, Sauerkirschen und Kräutergewürzen, der, obwohl 8 Stunden dekantiert, noch nicht aufgeschlossen wirkt.

Zum Abschluss darf ein Bordeaux nicht fehlen:

  • Gabi & Alf Weiss: 1995 Chateau Pinchon Longueville 2. Cru classé, 13% alc., Comtesse de Lalande, Pauillac.
    Klassische Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc.
    Für diesen Jahrgang einer der besten Bordeaux-Weine, samtig und rund, Waldfrüchte, Tabak, schwarzer Tee, perfekt eingebundenes Holz, wohlmöglich auf seinen Höhepunkt?! Zu dem Preis sei so viel gesagt, dass wohl alle vorher getrunkenen Weine mit einer Flasche Chateau Pinchon bezahlt wären. Insofern verbietet sich jeder Vergleich!

Zusammenfassend sei bemerkt, dass alle Aktiven ihre Weine kostenlos zur Verfügung gestellt haben.
Das dankbare Publikum war mit dem rhetorischen  Beiwerk im Wesentlichen zufrieden, wenn auch einige Ausführungen zu weitschweifig und mit unnötigem Ballast befrachtet waren. Wie immer ist auch aus dieser Veranstaltung Nutzen in mancherlei Beziehung zu ziehen.

Jedenfalls wünscht sich der Vorstand weitere Veranstaltungen in diesem Format und hofft auf das enthusiastische Engagement der Weingeschwister.