Nicht nur passionierte Riesling-Freunde erinnern sich an die klassische Weinbau-Region „Mosel-Saar-Ruwer“, aus der historisch die höchstwertigen – und teuersten! – Riesling-Weine ihren Weg in alle Weltgegenden fanden.
Einen triftigen Grund für die Streichung der Mosel-Nebenflüsse Saar und Ruwer aus der Regionsbezeichnung konnte dem secretarius (der als 16-Jähriger auf dem Drahtesel von Idar-Oberstein in den bekannten Weinort Ayl zwecks Besuch von Verwandtschaft radelte – damals noch nicht in Sachen Wein!) niemand nennen. Aber so ist es nun mal in Zeiten der großen Vereinfachung – der Bedeutung der Saar-Weine wird das allemal nicht gerecht!
Auch die Weingeschwister Jola und Arnold Blaschczyk als Initiatoren und Ausrichter der Exkursion haben Grund zu verwandtschaftlichen Reisen in diese Gegend, lebt und arbeitet doch Tochter Olivia zwischen Konz und Luxemburg! Anlass und Gelegenheit genug, sich auch den Weinen der Region zu widmen.
Einen ersten, durchaus nachhaltigen Eindruck vermittelte im August 2020 die Weinprobe des Weingutes Würtzberg aus Serrig. Es sei vorausgeschickt, dass ein kurzer Abstecher zu dem Weingut auch Teil dieser Reise war.
Auf dem Weg zu der Unterkunft in Saarburg fand der „Aufgalopp“ der 13 Reisefreunde im Weingut Van Volxem statt, wo sich ein Brauerei-Erbe seine Vision eines modernen Weinbau-Unternehmens erfüllt. Mit eindrucksvoller Architektur konkurriert man mit bedeutenden Betrieben u.a. in Spanien. Weintechnisch bilden die Rieslinge des VDP-Mitglieds den Schwerpunkt des Angebots, wobei mit großen Lagen und großen Gewächsen nicht gegeizt wird – auch bei den Preisen nicht! Was will man machen – auch die teure Fassade muss bezahlt werden. Als notorischer Querdenker verkostete der secretarius abschließend noch schnell einen Pinot Blanc und eine Chardonnay/Weißburgunder-Cuvée und behauptet, damit nicht falsch gelegen zu haben!
Nach einem Imbiss in ländlichen Gefilden – Das Fischerhaus in Konz – erfolgte Einkehr in das Hotel am Markt in Saarburg – nicht nur ob des Wetters durchaus mit italienischem Flair. (Allerdings wurden gegen 22.30 h die Bürgersteige hochgeklappt, was einerseits zu friedlicher Nachtruhe, andererseits zum Ausbleiben etwaiger alkoholischer Nachtrünke verhalf!)
Bevor es allerdings dazu kam, stand nach dem Abendessen im Wirtshaus zum Pferdemarkt an gleichen Ort eine Übersichts-Präsentation von 10 Weinen aus der Vinothek der Saar an, mit der der Referent Marius Klein die Bandbreite typischer Saarweine belegte und nachwies, dass sein Wissen wie auch dessen Vermittlung beeindruckend profund und unterhaltsam ist. Somit ist seine Vinothek „Bonsai & Wein“ allemal eine gute Adresse in Saarburg.
Wohl gestärkt vom umfänglichen Frühstücksbuffet wurde nach einem kurzen Marsch das Weingut Forstmeister Geltz-Zilliken erreicht, wo sich der Senior-Chef die Ehre gab und mit Überraschungen nicht geizte. Seit 1742 ist produziert das Weingut in der Monopol-Lage Rausch Riesling-Weine, die alle selektiv handgelesen und im Holz ausgebaut werden und in idealer Keller-Atmosphäre bei feuchtegesättigter Luft und einem natürlichen Pilz-Bewuchs (von dem man sagt, er gehöre zur Familie) reifen. Hier lagern wohlbehütet mehr als 80.000 Flaschen aller Epochen.
Das VDP-Gründungsmitglied und Prädikatsweingut begrenzt den Ertrag auf 50hl/ha, womit die Lebensdauer der Rebstöcke verlängert wird und die Weine eine enorme Dichte erlangen. 13 Weine – vom einfachen Gutswein bis zur 2005 Rausch Auslese Goldkapsel – wurden verkostet und mit jeder Steigerung trank man sich in einen Rausch der Sinne. Hier regieren Handwerkskunst, Anspruch und Philosophie eines großen Wein-Machers die Qualität! Das hat natürlich seinen gerechtfertigten Preis – dennoch finden 70% der Produktion zwanglos ihre internationalen Abnehmer. Für alle Teilnehmer eine ausgesprochen positive Überraschung und das unstrittige Highlight dieser Exkursion.
Bevorzugte Wahl der Mittagsrast auf dem Markplatz war – was läge näher? – Flammkuchen verschiedensten Belages. Dem Stadtrundgang einschließlich Kirch- und Wasserfall-Besuch folgte auf VDP-Schloss Saarstein in der Ortslage Serrig wieder unter der Leitung von Marius Klein die nächste Verkostung, die im Großen und Ganzen wiederum die typische Saar-Palette beinhaltete. Auf 11 ha werden allerdings auch diverse weiße Burgunder-Reben angebaut. In Erinnerung sind dem secretarius geblieben: 2022 Riesling Grauschiefer Kabinett trocken, 2014 Riesling GG trocken und 2007 Riesling Auslese Goldkapsel, wobei er sich über die Preise gewundert hat. Was auch für den Hund galt, auf den er fast am Ende gekommen wäre!!!
Das abendliche Essen im Garten der Villa Keller, zum dem sich auch Olivia Blaschczyk nebst Lebensgefährten gesellte, rundete einen wunderschönen Tag und die Bäuche der Zecher ab. Wieder waren die Bürgersteige beizeiten hochgeklappt, was nachtschwärmerische Tätigkeiten verhinderte.
Der sonntägliche Morgen brachte nach dem kurzen Abstecher zum Weingut Würtzberg als letzte Etappe das Weingut Stefan Müller in Konz-Krettnach, wo auf 11 ha in vergleichsweise moderater Traktor-gängiger Morphologie die neue Winzergeneration engagiert ihren Weg sucht (und sicher auch finden wird). Offensichtlich als Folge der Riesling-„Flut“ der vergangenen Tage fand insbesondere der 2022 Weißburgunder Anklang. Die fruchtigen 21/22 Krettnacher Altenberg-Varianten sind für die Freunde fruchtiger Weine allemal merkenswert, belegen sie doch, wie stark zwei Jahrgänge variieren können.
Womit der ob des Dargebotenen hochzufriedenen Reisegruppe für den Rückweg an die Lahn und ihre Nebenbäche nichts mehr im Wege stand.
Großer Dank gebührt Jola und Arnold für Planung und Realisierung der Fahrt, die Auswahl der Winzer, manch hilfreicher Handreichung, das opferreiche auf Alkohol verzichtende entspannte Fahren, die nachfolgende Wein-Logistik und ihre allzeit gute Laune. Das macht Lust auf mehr!