Österreich
Rot- und Weißweine aus 5 Regionen

Eines sei diesem Protokoll vorangestellt:
Unsere südöstlichen alpinen Nachbarn wissen, warum sie 70% ihrer jährlichen Weinproduktion von 2.3 Millionen Hektolitern selbst trinken (runde 18 Liter/Kopf/Jahr – Deutschland im Vergleich gute 20 Liter/Capita). Nach dem insbesondere auch die Alpenrepublik nicht verschont habenden Glykol-Skandal haben die mehr als 20.000 teils sehr kleinteiligen Erzeugerbetriebe, von denen etwa 5.000 selbst vermarkten, seit Ende des vergangenen Jahrhunderts einen beeindruckenden Qualitäts-Aufschwung genommen und die Jahrtausende alte Weinkultur zu neuen Höhen geführt. Unter den 40 in Österreich zugelassenen Rebsorten sind die autochthonen weißen wie Frühroter, grüner und roter Veltliner, Neuburger, Rotgipfler, Sylvaner und Zierfandler sowie die roten Blauer Portugieser, Blauer Wildbacher, Blaufränkisch und St. Laurent zu erwähnen.
Wenn auch der Anteil der Rotweine ansteigt, so sind doch die Weißweine bislang mit mehr als 65% der Gesamtproduktion dominant.

Soweit zur Vorrede!
26 Weingeschwister und 2 Gästinnen konnte der Bruderschaftsmeister pünktlich zur der Präsentation begrüßen. Unterstützt wurde er erstmals mit Audio-Technik, der vorab geäußerten Aufforderung nach mehr „Lauter“-keit Rechnung tragend. Der secretarius entblödet sich nicht zu bemerken, dass die Stimmbänder der Vortragenden in Funktion der durch das Auditorium verursachten Nebengeräusch-Dezibels leicht an ihre Grenzen stoßen können. Sei es wie es ist, dem sollte mit Verstärker, Lautsprechern und Mikrofon abgeholfen werden.

Der Kellermeister hatte mit kundiger Hand aus der Zahl der oben genannten Weingüter jeweils einen Weißen und einen Roten aus den Weinbau-Regionen Steiermark, Wagram, Carnuntum, Burgenland und Wachau ausgewählt.
Ein wahrlich nicht einfaches Unterfangen, legt man zugrunde, dass es 18 über die Bundesländer Steiermark, Niederösterreich, Burgenland und Wien verteilte Anbau-Gebiete gibt, in denen mehr als 32.000 Produkte angeboten werden.

Zum Ende der Veranstaltung bestätigte die Versammlung dem ausgewählt Habenden ohne Zögern ein insgesamt glückliches Händchen, wobei der secretarius, der den Kellermeister zu kennen glaubt, davon ausgeht, dass die gesamte Kollektion mit Vorsatz und Bedacht zusammengestellt wurde!

Zur Systematik der Österreichischen Weine wurde angemerkt, dass sie im Wesentlichen den EU-Vorgaben folgt und der deutschen ähnelt. Bei Qualitäts- und Prädikatsweinen ist die maximale Ertragsmenge pro Hektar auf 9.000 kg festgelegt. Eine Besonderheit ist die Bezeichnung „DAC – Districtus Austriae Controllatus“, die in etwa dem italienischen „DOC – denominazione de origine controllata“ entspricht.
Womit die Manege den Protagonisten des Abends gehörte, die der secretarius in impertinenter Art und Weise überfallartig dazu genötigt hatte, jeweils einen Part der Vorstellung zu übernehmen, dergestalt, dass sie die Weine aus ihrer Sicht vorab verkosten und ihre Einschätzung in persönlichen Beiträgen zum Besten geben mögen.

Als erste ergriff Frauke Häuser-Jüngst Wort und Mikrofon und widmete sich anhand zweier Beispiele der Region Steiermark:

2020 Morillon Ried Steinbach, Weingut Lackner-Tinnacher, Gamlitz
Ein Paukenschlag zum Auftakt! erlaubt sich der Chronist anzumerken. Dieser Chardonnay mit feinen Aromen von Zitrus, Pfirsich und Tropenfrucht mit elegantem Holz überzeugt durch Authentizität und hat durchaus eine besondere Note. Nicht unerwähnt bleibt der Glasverschluss, den die Weingeschwister von Simon-Bürkle und Stallmann-Hiestand kennen.
2021 Merlot Pfeifer Weingut St. Anna, Vulkanland Steiermark
Ein unauffälliger Merlot mit allen Stärken und Schwächen dieser Rebsorte; dunkelrubinrot, Brombeeren und Waldfrüchte – zu jung, um weitere Kommentare zu verdienen.
Das Auditorium teilte dankend die Einschätzung der Referentin, die es – nicht zuletzt wegen ihres Vortrages! – verdient hätte, Mitglied unserer ehrwürdigen Vereinigung zu sein!

In der folgenden Abteilung kam die Region Wagram mit unserer Referentin Jola Blaschczyk an die Reihe (wie kommt der Protokollant assoziativ nur auf Viagram??)

2021 Cuvée Spectrum BioWeingut Bernhard Ott, Feuersbrunn
Da lachte nicht nur die Seele des secretarius, der nicht zuletzt mit Cuvées Wein-sozialisiert wurde. Die Tradition des gemischten Satzes, bei dem alle Rebsorten zugleich gelesen und vergoren werden, wird allerdings mehr und mehr von separat vinifizierten Rebsorten und später gemischten Cuvées verdrängt. Im speziellen Fall bleibt die Methode unklar. Aber – Viagram! – dieser Wein könnte allemal aphrodisiakisch sein!! Frisch und saftig hat er Noten von Steinobst. Unsere Referentin wäre nicht die, die sie ist, hätte sie nicht das äußerst schöne Flaschenetikett erwähnt. Es fragt sich nur, wie und warum es im Kompendium zu der Veranstaltung seitenverkehrt erscheint?
2018 Cuvée Quercus No. II 2018 Weingut Andreas Alt, Großriedenthal
Als hätte es der Kellermeister so gewollt, besticht auch dieses Weingut mit seinem ästhetischen Etikett! Noch mehr aber mit der Qualität dieser in 30 Monaten in alten und neuen Barrique-Fässern ausgebauten Cuvée aus Zweigelt, Syrah und Merlot. Ein sehr dichter, kräftiger Röstaromen-reicher saftiger Roter mit Schokolade-Anmutung und imposantem Abgang.
Unterbaut wurde die Präsentation von schöner und instruktiver Graphik – was bei der Referentin eigentlich auch nicht anders zu erwarten war …….. beides wurde dankbar mit Applaus zur Kenntnis genommen.

Da hatte es Weinbruder Heinz Huth schon deutlich schwerer mit –

2021 Sauvignon Blanc Weingut Philipp Grassl, Arbesthal,
Carnuntum der in der Nomenklatur des Weingutes als Superwein eingeordnet ist. Anklänge von typischer Stachelbeere und Grapefruit wurden notiert – Biskuit schon weniger (da spricht der Bäcker?). Da war sich das Auditorium mit dem Referenten einig, dass dieser Wein ein wenig kurz und unauffällig ist.

Dem folgenden
2019 Ried Kirchweingarten 1 ÖTW Zweigelt, Weingut Markowitsch Göttlesbrunn, Carnuntum
geht ein großer Name voran. Nach händischer Selektion und Spontanvergärung reift er in 18 Monaten in 500 l-Fässern und wird gemeinhin als klassischer Zweigelt gehandelt. Die Meinungsbildung im Auditorium war durchaus gespalten, was nicht zuletzt daran liegen mag, dass diese Rebsorten dem deutschen Gaumen ungewohnt ist. Die Österreich-Kenner jedenfalls lobten ihn. Nicht unerwähnt blieb im Kontext das neueste Buch von Daniel Deckers über den Wissenschaftler, namensgebenden Züchter und Nationalsozialisten Friedrich Zweigelt (1888…..1964), das neue Erkenntnisse zu dieser umstrittenen Persönlichkeit aufzeigt.

Guenther Kretzer schickte seinen Ausführungen eine Vita seiner Weinerfahrungen voraus (schließlich hat er Winzervorfahren und wuchs in Koblenz inmitten von Wein im Hotel seiner Eltern auf). Dennoch bezeichnet er sich als Laien in Sachen Wein, was er aber sofort widerlegte, als er den

2021 Gelber Muskateller Weingut Leo Hillinger, Jois Burgenland
in die richtige Ecke stellte und als Massenprodukt charakterisierte. Der secretarius pflichtet dem uneingeschränkt bei. Das ist ein profilloses Industrie-Produkt. Da war man sich einig und verlor keine Zeit in der weiteren Besprechung dieses Weines.

Besser kam der
2018 Ried Szapary Eisenberg Reserve Weingut Kopfensteiner, Deutsch-Schützen Burgenland
weg, wenn er auch insgesamt als noch zu grün und kurz eingeordnet wurde. Das mag auch an der Rebsorte Blaufränkisch liegen, die in Deutschland als Lemberger nur eine regionale Popularität erfährt. Aromen von Brombeeren und Holunder bei feinem Holz geben dem Wein Potential. Unklar blieben die Argumente hinsichtlich Terroir und Haltbarkeit, zumal eine Abhängigkeit vom Eisengehalt und Stabilität nicht erklärbar erscheint. Wer den Referenten kennt, weiß auch, dass er kein großer Freund des Holzausbaus ist…..
Der konsequenten und offensichtlichen Einschätzung der Burgenland-Weine war Zustimmung und Applaus gewiss.

Blieb am Ende – last but not least – die Wachau!
Abweichend von den vorlaufenden Regionen stellte Dorothée Benner-Luger den Weißwein hintan und begann ihre Ausführungen mit einem Rosé-Wein, der eigentlich ein roter hätte sein sollen:

2021 Wachauer Blauer Burgunder Rosé Weingut Knoll, Dürnstein Wachau
Ein äußerst feingliedriger kupferfarbener Rosé mit Aromen von Erdbeere, Kirsche, roten Früchten, Zitrus, Grapefruit, mineralisch und salzig aus dem Qualitätsgebiet „Nobilis Districtus“ der Wachau-Winzer, die mit 1.400 ha eines der größeren und wichtigsten Anbau-Gebiete Österreichs bearbeiten. Die Einschätzung der Referentin und die Reaktionen des Auditoriums waren allerdings uneinheitlich. Ein Exot ist er allemal, machen doch rote Trauben nur 0.5% der Wachau – Produktion aus.

In ihrer beeindruckenden Präsentation – mit schönsten Ansichten der Donau-Landschaft und informativen Texten – durfte am Ende eine Rebsorte natürlich nicht fehlen:
2020 Dürnstein Grüner Veltliner Domäne Wachau, Dürnstein
Auch hier „Nobilis Districtus“ in der höchsten Kategorie „Smaragd“. Wenn man so will, ein österreichischer Klassiker auf hohem Niveau, der auch vor den Augen und anderen Sinnen der Gattin des Bruderschaftsmeisters Gnade fand. Und nicht nur dort: dieser Jahrgang in dieser Qualitätsstufe ist offensichtlich ausverkauft! Ein saftiger, kräftiger Veltliner mit großem Bouquet, guter Mineralität und beeindruckendem Abgang!

Mit viel Liebe und hohem Zeitaufwand (laut Statement von Doro musste ihr Gefährte eine Woche auf sie verzichten!) war die Präsentation gestaltet und so ein würdiger Abschluss der Verkostung, die trotz fortgeschrittener Stunde nochmals – mit Ausnahme der üblichen Verdächtigen! – die geneigte Aufmerksamkeit der Weingeschwister erfuhr und in der Aussage gipfelte, als Resultat der Beschäftigung mit der Region nun dort einen Urlaub verbringen zu wollen.

Den allseits verdienten Gesamt-Applaus nahm der secretarius zum Anlass einer obligaten Zusammenfassung. Er bemerkte insbesondere die erfrischende Offenheit in den individuellen Bewertungen der Weine, die im Wesentlichen von den Teilnehmenden geteilt wurden, deren aktive Beteiligung an der Besprechung und den lebhaften Austausch dem erhofften Ergebnis aus diesem Format dem nahe kommt, was man sich bei der Planung versprochen hatte. Es zeigte sich, dass auch bei der Ansprache von Weinen „viele Wege nach Rom“ führen können – auch wenn sie nicht vermeintlichen Konventionen folgen. Schließlich bestätigt sich, dass am Ende selbst individuelle Wahrnehmungen und Geschmäcker durchaus zu vergleichbaren Einschätzungen führen können.
Wie der Kellermeister bemerkte, zeigt das aber auch, dass in den vergangenen Jahren doch einiges „gelernt“ wurde. Auch er ermunterte die Weingeschwister zu aktiver Teilnahme an zukünftigen Veranstaltungen.

Das letzte Wort gebührte unserem Weinbruder Jürgen Fassbender, der sich als Kenner und Liebhaber österreichischer Wein auswies und sich bereit erklärte, eine weitere Veranstaltung zu diesem Themenkreis mitzugestalten; letzteres wurde mit allgemeinem Wohlgefallen zur Kenntnis genommen.