Der ruhmreichen nassovischen Weintrinker, Schluckspechte, Schoppenstecher, Pichler, Zecher, Sumpfhuehner, Connaisseurs, Trunkenbolde, Sommeliers, Weinkritiker, Söffel, etc., etc.
denkwuerdige annales et dicta de rebus gestis
in anno mirabilis MMXXII
gegeben zu Limpurg apud Lahn fluvius
sub regula Fratrum Magistri,
doctorem rerum naturalis Sigismundus Lugerus
in mense Februario
Anno Domini MMXXIII
Bacchus zum Gruße ehrwürdige Geschwister der noch ehrwürdigeren nassauischen Weinbruderschaft!
Die Tradition gebietet, unser löbliches Tun und Treiben im – ansonsten weniger zu lobenden – vergangenen Jahre für die staunende Nachwelt ordentlich aufzuzeichnen und kund zu tun.
Wohlan denn: Getreulich den Anweisungen des hohen Offiziums nehmt das folgende Erstaunliche zur gefälligen Kenntnis!
Auch die Geißelungen der Covid-Plage konnten die Tapferen der Bruderschaft nicht abhalten, dem anbrechenden Jahr ein fröhliches Prosit bei Schaumwein und ausgewählten Rebensafte aus deutschen und welschen Landen zu entbieten, angerichtet in der gastlichen Heimstatt in Staffel. (Allen Teilnehmern wurden im Verlauf der folgenden Veranstaltungen jeweils Corona-Tests abverlangt).
Den Regularien Respekt entbietend folgte im Februar die Mitgliederversammlung, deren Protokoll in den Annalen hinterlegt ist. Der Nachtrunk diente der Regulierung der Weinbestände.
Tradition und Formalem Genüge getan habend, folgten in monatlichem Abstand neun Exerzitien in Weinkunde, derer sechs im Bürgerhaus, zwei anlässlich Weingut-Visitationen und eines – auch schon bald Tradition – anlässlich der Rheingauer Weintage in Limburg. Örtliche Heimsuchungen erfuhren die Weingüter Chat Sauvage in Johannisberg und Emil Bauer in Nußdorf. Alle Veranstaltungen hat der secretarius in dürren Worten protokolliert, durch das hohe Konzilium hochnotpeinlich prüfen lassen und in die Annalen der Bruderschaft aufgenommen – mit Ausnahme der Grauburgunder-Probe.
Insgesamt wurden 77 Weine verkostet – ungezählt bleiben jene der Mitgliederversammlung und der Wein-Tage (die aus den Beständen bestritten wurden). In Rebsorten ausgedrückt sind dies
– Chenin Blanc, Sauvignon Blanc, Riesling, Silvaner, Weißburgunder, Grauburgunder, Viognier, Auxerrois, Chardonnay und Rivaner in der Abteilung weiß gekelterte Weine,
– Pinotage, Merlot, Cabernet Sauvignon, Grenache, Shiraz, Petit Verdot, und Spätburgunder der Abteilung Rosé- und Rot-Weine,
– sowie diverse weiße und rote Cuvées.
Jahrgangstechnisch waren von ehrwürdigen 1995ern bis zu 2021-Jungspunden alle Altersklassen vertreten.
Somit haben die Weingeschwister im Dienste des Weinkultes und den Vorgaben der Satzung in Sachen Pflege des Kulturgutes Wein – allzeit dem Gebot der Moderation folgend – statistisch offiziell jeweils 3,85 l auf das Jahr verteilt – oder 0,43 l/Weinprobe – getrunken. Der secretarius ist bezüglich der Menge der Neigen und Nachtrunke unkundig und unschuldig!
Die 11 Veranstaltungen zählten insgesamt 311 Teilnehmende – oder 28 im Mittel pro Veranstaltung (im Vorjahr 25).
Spitzenreiter waren – abgesehen vom Neujahrs-Empfang – die Abende mit Daniel Deckers (35), dem Weingut Ratzenberger (34), dem Weingut Post House sowie der Käse/Wein-Probe (je 33).
Der Vorstand hat sich bemüht, seiner Aufgabe und Verantwortung gerecht zu werden, oftmals in Sachen Corona-Tests gehadert und versucht, den Weingeschwistern ein angemessenes Programm zu bieten; nicht immer ist das leichtgefallen, und so musste zur Befeuerung der Geister und zur Linderung des intellektuellen Verschleißes manch guter Tropfen aus den jeweiligen Kellern herhalten – insgesamt waren es derer 33 während 5 Vorstandssitzungen.
Zur Kenntnis nahm der Vorstand 3 Austrittserklärungen, von denen eine allerdings zurückgenommen wurde. Erfreulicherweise gingen 5 Beitritts-Anträge ein, und so können zum Jahreswechsel folgende neue Mitglieder bilanziert werden: Lidia Kaminiarz, Birgit Stöffler, Andreas Merda, Hans-Georg Ruffert und Jürgen Fassbender.
Im Bemühen um Image-Pflege wurde ein Portrait der Weinbruderschaft im LiMa 360-Magazin platziert. Stolz wird darin auch auf den hervorragenden Internet-Auftritt unter der hingebungsvollen Gestaltung und Pflege durch Jola Blaschczyk verwiesen.
Auf der Homepage findet sich allerdings nicht das unveröffentlichte Protokoll der Grauburgunder-Probe vom 20. April, das an dieser Stelle, sozusagen als Reflexion dessen, was den Vorstand hinsichtlich der Attraktivität der Veranstaltungen umtreibt, wiedergegeben wird:
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„ Grauburgunder + Pinot Grigio + Ruländer + Pinot Gris = 4 x 2
Diese – auf den ersten Blick hirnrissige – Formel fasst das überfällige Protokoll der Weinprobe vom 20. April 2022 zusammen, belegt aber auch, was sich die Weinbruderschaften im Allgemeinen und Speziellen auf die Fahnen geschrieben haben (Zitat Satzung der Weinbruderschaft Nassauer Land):
„Er strebt an…..und macht sich zur Aufgabe, die Weinkultur zu erhalten und sie nach besten Möglichkeiten in Wort, Schrift und Tat zu verbreiten und zu vermehren.“
Wie auch in allen möglichen anderen Lebensumständen führen auch hierbei, wie man sagt, „viele Wege nach Rom“: Über die Maßen haben in den vergangenen Jahren Vorträge, Besuche bei und von Winzern die Programme auch unserer Weinbruderschaft geprägt und beherrscht. Am Ende haben im Wesentlichen zahlreiche mehr oder weniger Berufene ihr Wissen und ihre Geschmackswelt vor einem mehr oder weniger interessiertem Publikum offen gelegt, ihre Produkte gepriesen, Geschichte, Handwerk und Kunst des Weinmachens kommentiert und interpretiert – während die Zuhörenden derweil ab und an mit mehr oder weniger gelungenen Kostproben bei Laune gehalten wurden.
Sehr löblich, aber am Ende in den allermeisten Fällen Kommunikation im „Einbahnstraßen-Verkehr“ – für Interessierte lehrreich und erleuchtend, für Sonstige eher lästig auf dem Weg zur Weinseligkeit. Selbst die heroischen Versuche, Diskussionen und Austausch über Nase und Gaumen, Abgang und Nachhall zu organisieren, waren – euphemistisch – allenfalls von gutem Willen geprägt.
Dies treibt den Vorstand – getreu seines Auftrages aus der Satzung! – seit langem um und führte, nach langen, teilweise kontroversen Diskussionen dazu, eines neues Format – eines unter allen anderen!! – zur Durchführung von Verkostungen mit dem Ziel zu entwickeln, möglichst viele Weingeschwister zu aktiver Teilnahme zu bewegen. Jeweils zu einem vorgegebenen Thema (z.B. Region, Rebsorte usw.) mögen mehrere Personen vortragen, neben den allfälligen sachlichen und fachlichen Informationen und Fakten ihre persönlichen Wahrnehmungen zu den Weinen präsentieren und diese zur Diskussion stellen – nicht zuletzt durch direkte Ansprache der Teilnehmenden.
Gewollt ist dabei auch, die nicht unerheblichen Aufwendungen zur Vorbereitung einer Präsentation durch nur eine Person zu reduzieren, auf mehrere Schultern zu verteilen, eine breitere Meinungspalette zu dem jeweiligen Thema zu haben (schließlich ist Geschmack und Wahrnehmung immer auch Interpretation und subjektiv!) – und den Eindruck zu vermeiden, da spräche einer „ex cathedra“!
Für einen ersten Versuch hatte sich der Vorstand auf das Thema „Grauburgunder aus 4 Regionen Europas“ verständigt und als „Versuchskaninchen“ in der Reihe der Auftritte Sigi Luger (Mittelrhein), Ralph Gatzka (Baden), Arnold Blaschczyk (Elsass) und Werner Fiebiger (Süd-Tirol) bestimmt. Die Auswahl der Weine erfolgte durch den Kellermeister.
Dieses Protokoll geht nicht im Einzelnen auf die Darbietungen der Referenten ein, zumal im konkreten Falle ja „der Weg das Ziel“ war, listet aber der guten Ordnung halber die verkosteten Weine auf:
- Mittelrhein
– Weingut Ratzenberger Grauburgunder 2018
– Weingut Josten & Klein Grauburgunder 2019
- Baden
– Weingut Holger Koch Herrenstück 2019
– Weingut K.H. Johner Grauburgunder „X“ Barrique 2019
- Elsass
– La Cave du Vieil Armand Grand Cru Zinnkoepflé 2018
– Weingut Hügel Riquewihr Klassic AOC 2018
- Süd-Tirol Etsch-Tal
– Peter Zemmer Pinot Grigio „Giatl“ 2017
– Weingut Pitzner Pinot Grigio Inell 2019
Der Protokollant interpretiert die Reaktion des Wein-Kollegiums als insgesamt positiv, könnte sich aber eine noch aktivere Teilnahme an der Diskussion der einzelnen Weine vorstellen.
Es ist nun an der Weinbruderschaft zu entscheiden, inwieweit ein derartiges Format Zukunft hat – und welche ohne Zweifel erforderlichen Verbesserungen Berücksichtigung finden könnten und sollten.“
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Womit der secretarius seine cronica eines weiteren Bruderschafts-Jahres beschließt, sich dem Wohlwollen und dem Langmut der Weingeschwister empfiehlt und sein letztes annus servitium demütig beginnt.
Vinum est donatio Dei