Weinbruderschaft Nassauerland
Wein/Käseprobe
30. November 2022
…..süße, wohlbekannte Düfte…….
…..nein, nicht Mörikes frühlingshafter Veilchen-Duft schwängerte am letzten, feuchtkalten Novemberabend 2022 die Räumlichkeiten des Staffeler Bürgerhauses, sondern vielmehr verlockende Epoisses, Pecorino und Roquefort – Gerüche, als die emsigen „Maitres fromage affineur“ nebst bürgerhäuslicher Hilfestellung und Lineal diversen Käse-Laiben zu Leibe rückten (derweilen der bruderschaftliche Leib-Arzt unter Zuhilfenahme seiner Erzeuger und diverser Utensilien nur Negatives fand) und in mundgerechten Portionen auf streng quadrantierten Palmblättern drapierten, um den Dingen ihren Lauf zu geben, die unter dem recht profanen Titel
„Wein/Käseprobe“
neben dem ausrichtenden Kellermeister und seiner Mentorin 29 Weingeschwister und zwei Gäste, die schriftlich ihren Willen bekundeten, der erlauchten Weintrinker-Schar beitreten zu wollen, angelockt hatten.
Selbigen Jürgen Faßbender und Hans-Georg Ruffert galt auch der erste Gruß des Bruderschaftsmeisters, der zum Ausdruck brachte, dass er hinsichtlich der so lange geplanten Veranstaltung äußerst erwartungsvoll sei, ohne zu vergessen, dem vortäglichen Geburtstagskind Heinz Huth und dem vorwöchentlichen Jubilar und Wirt des Bürgerhauses Michael Gutermuth – letzteren mittels Handschlag und einer Flasche Wein –- alles Gute zu wünschen.
Dies getan übergab er die Moderation an den Kellermeister, welcher, umfängliches Lernmaterial und Dokumentation vorab verteilt habend, einiges Grundsätzliche zu dem Unterschied Rohmilchkäse-Bereitung und industrieller Käseproduktion voranschickte, auf Fettgehalte verwies, Wissenswertes zu Käse-Regionen insbesondere in Frankreich und Italien vermittelte, auf den jahreszeitlichen Käse-Konsum verwies, die drei Haupt-Rohstofflieferanten – vulgo Kuh, Ziege und Schaf – anführte und den heroischen Versuch erläuterte, zu den Weinen korrespondierende Käse zu finden – oder galt es, zu den Käsen passende Weine zu suchen!? Der secretarius, als treuer Diener seiner Weinbruderschaft (und nicht einer Käse-Kongregation) tendiert zu erster Alternative, schließlich trinkt er eher Wein ohne Käse, als dass er Käse isst und dazu Wein konsumiert. Aber wen interessiert schon, welche kruden Gedanken er hegt!? Wie dem auch sei, 6 Kuhmilchkäsen und jeweils 2 Ziegen- und Schafmilchkäsen standen 2 deutsche und 5 französische Weißweine, 1 italienischer und 2 französische Rotweine sowie – als Zugabe – ein Portwein gegenüber.
Dies vorausgeschickt servierte das dienstbare Personal flugs die vorbereiteten Käse-Arrangements und vom Hause Huth großherzig bereitgestellte Brotauswahlen auf vorweihnachtlich geschmückten Tafeln, während die ersten Flascheninhalte ihren Weg in die Gläser fanden. Der secretarius steht nicht an, die Weisheiten des Chef-Sommeliers und seiner Gefährtin hinsichtlich der Käse-Wein-Kombinationen zu kommentieren, geschweige denn zu diskutieren – dazu fehlt Sachverstand und Streitbarkeit hinsichtlich geschmacklicher Präferenzen (er erkennt aber unumwunden an, das selbige wohl begründet waren, auch wenn beispielsweise der 1995 Montevertini Reserva dem Pecorino – sardo (wie in den Unterlagen vermerkt) oder piemontese?? – nicht mehr standhielt), er kann aber nicht umhin, Einiges zu den Weinen abzusondern – weinbruderschaftlich eben. Ansonsten verweist er auf die profunden Erläuterungen des vom Kellermeister akribisch erarbeiteten Handbuchs. So lobt er bei den Weißen insbesondere den 2017 Höhnsteder Kreisberg, den gleichaltrigen burgundischen Pinot Gris und den 2016 Savignin Ouillé, die Käse hin-Käse her, auch „pur“ seine Anerkennung finden. Nicht ausschließen will er aber, dass die dazu vorgeschlagenen Käse den Weingenuss positiv beeinflusst haben, auf jeden Fall „passten“ sie harmonisch.
Von den Roten beeindruckten 2000 Mas Jullien „Pense bête“ (was übrigens umgangssprachlich mit „Merkzettel“ oder „Notiz“ übersetzt werden kann und die rückseitigen Etiketten erklärt) ebenso wie 2005 Chambolle Musigny durch eindrucksvolle Balance und Sanftheit, die selbst die Rotwein-Skeptikerinnen im Kreise der Bruderschaft zu fast schon enthusiastischen Kommentaren veranlassten.
Auch die gelungenen Kombinationen der Blauschimmelkäse mit 1984 Sauternes und der 2007 Wehlener Sonnenuhr von J.J. Prüm überzeugten – und als Zugabe der Roquefort mit einem Tawny Portwein – letzterer allerdings vielleicht ein wenig zu alkoholisch.
Voll des höchsten Lobes zollte das Auditorium großzügigen Applaus, wohl realisierend, welcher Aufwand – logistisch, spirituell, pekuniär und schlicht zeitlich – erforderlich war, um dieses Projekt umzusetzen, das ohne Zweifel eine neue Dimension im Rahmen unserer Veranstaltungen aufgetan hat – der spontane Wunsch nach da capo wurde laut.
Insofern war das auch ein würdiger Abschluss eines nicht immer einfachen Jahres, wie der Chronist in seinem Resumée festhielt. Dass dazu dem Schatzmeister zugestanden wurde, eine großzügige Abbuchung aus der Vereinskasse zu tätigen, zeugt auch von der Bedeutung, die der Vorstand diesem Event zubilligte. Sollte des secretarius Lobesrede spärlich und unvollständig gewesen sein, bittet er um Nachsicht – als Lion ist er stets bemüht, großzügig im Lob und sparsam im Tadel zu sein – aber manchmal reichen Worte halt nicht aus…….
Mit guten Wünschen und dem Verweis auf den Neujahrs-Empfang am letzten Mittwoch im Januar 2023 endet der offizielle Teil dank des – trotz einiger Probleme akustischer Art – zügigen und kurzweiligen Vortrags zu guter Zeit und gibt Raum zu einem umfänglichen Nach-Kolloquium.
Zu frühmorgentlicher Stunde löst der secretarius einige offen gebliebene Bierdeckel säumiger Zecher aus – und trollt sich versöhnlich gestimmt und wissend, dass nicht alles Käse war………


