Weinbruderschaft Nassauerland

 Die Chronik des Jahres 2020

 

Das Jahr 2020 begannen 39 Weingeschwister mit Zuversicht und einem zünftigen Neujahrs-Umtrunk in französischer Champagner-Laune und toskanisch-piemonteser Weinseligkeit am ebenfalls italienisch angehauchten Buffet des Bürgerhauses in Staffel, das – ob der im Januar noch nicht ernsthaft wahrgenommenen Corona-Pandemie – zur neuen Heimstatt der Weinbruderschaft werden sollte, nicht zuletzt auch der Tatsache geschuldet, dass das Kolpinghaus seine gastliche Pforte für Veranstaltungen der weltlichen Art schloss. Die Veranstaltung gab auch und insbesondere Anlass, neue Mitglieder zu begrüßen: Günther Kretzer sowie Klaus Maxeiner und Dr. Michael Petermeyer wurden mit Vereinsnadel und Satzung dekoriert und per Handschlag des Bruderschaftsmeisters herzlich willkommen geheißen. So endete das Protokoll zuversichtlich: Auf ein Neues also!!

Die im Februar folgende Mitgliederversammlung fasste im Beisein von 19 Weingeschwistern den historischen Beschluss zur Aufnahme von Lebenspartnern zu einem reduzierten Mitgliedsbeitrag. Dies hatte im Verlauf des Jahres zur erfreulichen Folge, dass die Damen Dr. Dorothee Benner-Luger, Johanna Fiebiger, Irene Fuhrmann, Erna Gatzka, Christa Huth und Gabi Weis die Weinbruderschaft mit ihrer Mitgliedschaft – in Zeiten des Genderns ein im doppelten Sinne unkorrekter Begriff!! – ehren, bereichern und verschönern, ganz zu schweigen von der immensen Reduzierung des Durchschnittsalters, das vorher bei etwa 69 Jahren lag, auf 68,43 Jahre zum Ende des Jahres 2020. Per Datum die heute sind wir allerdings schon wieder mehr als 10 Monate älter – womit bewiesen ist, dass zeitlose Schönheit und Eleganz auch nur ein sehr relatives Zeitmaß ist!! Was natürlich auch belegt, dass wir trotz des Jungbrunnen Wein dringend einer Blutauffrischung bedürfen. Und so sind wir alle aufgefordert, neue Bacchus-Jünger und Bacchantinnen zu gewinnen. Nicht zu vergessen haben wir den Eintritt vom Maurice von Anshelm, dessen liebe Frau Almuth leider von uns gegangen ist. Wir vermissen Sie sehr! Zur Abrundung des Kapitels Mitglieder ist zu vermerken, dass Peter Schardt – nicht der Peter vom Fischmarkt! – aus persönlichen Gründen ausgetreten ist. So weist der Appell zum Ende des Berichtsjahres eine Gesamt-Mitgliederzahl von 59 Weingeschwistern aus – von denen sich 16 zu dem schönen Geschlecht zählen – und selbstverständlich auch von den Andersgeschlechtigen gezählt werden!

Nun hätte das Bruderschaftsjahr seinen geplanten Lauf nehmen können, wäre da nicht jenes kleine Virus außer Kontrolle geraten, dass sich auch durch Leugnen und Ignorieren nicht von seinen Umtrieben abhalten ließ. Der verordnete Lock-Down legte zwar die Weinbruderschaft nicht trocken, unterband aber die geselligen Veranstaltungen, und der Vorstand sah sich einstimmig nicht in der Lage, irgendwelche Risiken einzugehen. So wurde zwar eine Antivirus-Kampagne in Form einer Schluckimpf-Empfehlung verteilt; es dauerte aber bis in den Juli, in dem der Wettergott ein Einsehen hatte und die Bestimmungen der Obrigkeit eine Freiluft-Veranstaltung im Biergarten des Bürgerhauses zuließen. Dankbare 26 Weingeschwister begaben sich in eine Corona-Therapie der besonderen Art aus Weißweinen des Weingutes Würtzberg unter persönlicher Anleitung der Gutsherrin – ein oenologisches Ereignis in sommerlicher Frische.

Bevor dann die nächste Epidemie-Welle alle weiteren Planungen über den Haufen warf, gelang es dem Kellermeister noch, in der September-Verkostung einer Auswahl von Weinen zu „kleinen Preisen“ zu präsentieren – und das auch unter Weintrinkern oft geltende Vorurteil zu widerlegen, dass nicht tauge, was nicht koste. Zwangsläufig ist damit auch manche Winzer-Marketing-Strategie ad absurdum geführt. 21 aufrechte Teilnehmer fanden sich ein – und gut, was der Kellermeister zu bieten hatte.

Und damit hatte es sich dann mit der Geselligkeit für das Jahr 2020! Der Vorstand verstand sich noch zu einem „Jahresend-Trostpaket“ ausgewählter Spitzenweine, das dankbare Aufnahme und Anerkennung fand. Festzuhalten bleibt aber, dass bis zu 30.06.2021 das Veranstaltungsleben der Bruderschaft ruhte!!

Auch der Vorstand kochte sozusagen auf kleiner Flamme, was seine Arbeiten betrifft. Allerdings gestaltete sich die Vorbereitung und Zustellung der genannten Weinpakete jeweils zu einer Solidar-Aktion unter Beteiligung aller Vorstands-Mitglieder. Die weiteren erfolgten Vorstandssitzungen waren arbeitsreich, erfolgreich und zeichneten sich durch zahllose Überstunden zu Verkostung und Einordnung diverser Weine verschiedenster Provenienz aus – alles im Dienste der Gestaltung zukünftiger Veranstaltungen unserer Vereinigung.

Auch bei der Zensur der schriftlichen Ergüsse des secretarius zeigte der Vorstand Mäßigung und Textmaß, so dass unsere Internet-Beauftragte deren Veröffentlichung nebst zahlreicher fotografischer Belege auf der Homepage vollziehen konnte. Unserer lieben Jola gilt an dieser Stelle besonderer Dank! Ohne Zweifel würde sich der Standard unseres Internet-Auftritts ins Unermessliche steigern, wenn weitere Wein-Adepten zur Feder griffen und zur Kommunikation auf selbiger beitrügen.