Riesling, Riesling……..
……nichts als Riesling!
Wer sich weintechnisch dem Rheingau nähert, tut dies nicht zuletzt, um der weltweit anerkannten Riesling-Tradition und der dazu erforderlichen Winzer-Kunst Tribut zu zollen. (Und das, so meint der secretarius, nicht ohne Grund, denn – sind wir mal ehrlich! – bis auf ganz wenige Ausnahmen ist es doch genau das, was den guten Ruf der Region ausmacht – Spätburgunder hin, weiße Burgunder-Derivate her!)
Und so waren auch 24 Weinbruderschaftler*innen und 2 Gast-Teilnehmende nicht über die Maßen überrascht, als Bruderschaftskanzler Arnold Blaschczyk zu einem Besuch des 100% Riesling Weingutes Robert Weil einlud. Durch die Geschichte und die Baulichkeiten des 1867 von dem Deutschlehrer und Namensgeber gegründete Unternehmen führte mit Martin Daniel ein kürzlich ausgeschiedener Mitarbeiter, der nach eigenem Bekunden neue musikalische Herausforderungen sucht (die Arbeit im Weingut, so erklärte er in kleinem Kreis, sei ihm zu eindimensional…..zu viel Riesling??).
Auf 100 Hektar produziert man mit 35 fest angestellten Mitarbeitern (davon drei Kellermeister) im Schnitt 500.000 Liter pro Jahr – dem mathematisch kundigen Leser erschließt sich hieraus vordergründig der mittlere Ertrag/Hektar……..und führt ihn damit auf den Holzweg, denn 50% der Produktion entfallen auf den „Rheingau Riesling trocken“, ein Gutswein-Verschnitt aus den verschiedenen Lagen; denn mit Sicherheit liegen in selbigen die Erträge deutlich höher!. Diese erste Probe aus dem Jahrgang 2020 stand mit 12%alc. bei gleichen Teilen an Säure und Rest-Zucker (7 gr) recht „unrund“ im Glas, was mit dem Problem-Jahrgang begründet wurde – der Laie stutzt, hat er doch schon sehr harmonische 20er verkostet!
Da kam der Kriedricher Riesling trocken als Ortswein aus dem gleichen Jahr mit schöner erdiger, mineralischer Note schon deutlich erwachsener aus der Flasche – Grund dafür ist sicher die Vorselektion des Traubengutes. Bei 12,5%alc und einer guten Säure-Restzucker-Balance weiß er zu gefallen – bei einem Preis von 19€ lässt der Enthusiasmus deutlich nach!
2018 Kiedrich Klosterberg Riesling trocken VDP.Erste Lage mit 13%alc. stach mit für sein Alter erstaunlichen Alterungsgraden in der Nase und ist mit seinem rauen, unrundem Abgang nur als „Halbstarker“ zu kategorisieren, dem die Ruhe und Harmonie (noch?) fehlt.
Der Kiedrich Turmberg Riesling trocken VDP. Erste Lage ist seinen gleichaltrigen Vorgänger um Längen voraus! Da passen Mineralität, Säure und Restzucker! Den nimmt der secretarius als Manifest eines eleganten Rheingauer Rieslings dankbar zur Kenntnis! Bei 27.50€ bleibt allerdings ein bitterer Nachgeschmack!
Die im Programm nicht vorgesehene edelsüße Auslese Gräfenberg Erstes Gewächs aus dem Jahr 2011 und dem Privatkeller unseres Referenten brachten den Kellermeister und die Liebhaber der restsüssen Weine, die auch ein Markenzeichen des Hauses Weil sind, in positive Wallung!! Aber auch hier gilt wieder: Über Geschmäcker läßt sich trefflich streiten – was aber akademisch bleibt, da er schon lange ausverkauft ist – trotz Versteigerungspreis von um die 100€!! Auf jeden Fall war die Platzierung in der Verkostungsabfolge unglücklich.
In einem gewissen Maße litt unter dem Eindruck und dem Nachhall dieses „Exoten“ der abschließende 2020 Kiedrich Gräfenberg Riesling Spätlese VDP.Grosse Lage. Das fällt in die Kategorie „Kindesmord“ – gibt aber Anlass zu schöner Hoffnung. Dieses Flaggschiff des Hauses Weil hat allemal Potenzial! Was man aber auch bei 45€ erwarten darf!!
Fazit: Mit dem Umbruch im Unternehmen seit und mit dem Einstieg japanischer Investoren im Jahre 1989 wurde das Weingut auf Wachstum und Profit getrimmt. Ein Blick auf die Preislisten und die Zahl der als „ausgetrunken“ markierten Weine beweist, dass die Strategie Erfolg hat – und das bei generell im höheren bis hohen Preissegment angesiedelten Weinen. Böse Zungen behaupteten zwar, dass der Blick gewisser Käuferkreise schwerpunktmäßig auch dem Preisschild gilt – nach dem Motto: Was nichts kostet, ist nichts! Das weist der Schriftführer allerdings weit von sich!
Nachdem das Haus Weil auf ein Entgelt für die Verkostung verzichtete, wurde Herr Daniel mit einem großzügigen Obolus bedacht und mit den besten Wünschen für die Zukunft verabschiedet.
Bei dem folgenden Abendessen und Nach-Kolloqium im Weingut Rußler in Rauenthal wurden die Weingeschwister bei reichlichen Portionen in Sachen Wein in die Realitäten des Rheingaus zurück geholt. Da merkte man posthum doch einige gravierende Klassenunterschiede.
Insgesamt dankte man dem Burderschaftskanzler für sein Bemühen und trollte sich zufrieden und per Bus ins Nassauer Land.