Protokoll der Verkostung vom 30.09.2020

Qualitätsweine unter 10 € 

Bürgerhaus Staffel

Im Zeichen der Corona-Pandemie nahm die Weinbruderschaft zum wiederholten Male die Gastfreundschaft des Bürgerhauses Staffel dankend in Anspruch.

21 Weingeschwister bildeten das Fähnlein der Aufrechten, die sich tapfer um den Kellermeister scharten, um dessen Auswahl von Weinen deutscher Provenienz der Preisklasse unter 10 € zu verkosten. Vorausschickend, dass eine so kleine Auswahl aus einem immensen Angebot – schließlich konsumiert der statistische deutsche Michel/die deutsche Michelin jährlich 20 l – zwangsläufig willkürlich bleiben muss, gab es zur Einführung einige Maßregeln zur Anwendung adäquater Attribute zur Ansprache der Weine. So gehören Kategorisierungen wie „schön“ nicht zum Vokabular des seriösen Bacchus-Jüngers/der seriösen Wein-Jüngerin! Allenfalls sind mit „schön“ entsprechende Damen, Gemälde etc. zu belegen, so das Verdikt des gestrengen Kellermeisters! Auch die oberflächliche Klassifizierung „schmeckt“ oder „schmeckt nicht“ entspricht nicht dem Niveau des gehobenen Wein-Connaisseurs – auch wenn es am Ende nur darauf ankommt!!

Derart instruiert ging es in die Blindverkostung – oder, wie der Schatzmeister bemerkte, in das lustige Ratespiel – von 7 weißen und drei roten Beispielen deutscher Winzerkunst oder des Bemühens darum. Nachdem als Kriterium eine Preisobergrenze von 10 € ausgelobt war, entblödet sich der secretarius im Folgenden nicht mit Wiederholungen der genannten Preise.

Flugs öffneten Bruderschaftsmeister und –kanzler die erste Flasche, deren Inhalt sich nach längeren Palaver als

2019 Weißburgunder Burkheimer Schlossgarten, Burkheimer Winzer am Kaiserstuhl e.G

entpuppte. Während der secretarius selbigen als unauffällig einstufte, vergab seine ihm Angetraute anerkennende Sternchen.

Es folgte

2016 Grauburgunder, Jürgen und Astrid Stentz, Landau Pfalz, der weder bei den Protokollanten noch seinem Weib übermäßige Begeisterungsstürme erzeugte. Ein Grauburgunder wie so viele in der Pfalz!

Mehr Emotionen generierte da

2018 Sauvignon Blanc, Weingut Studier, Ellerstadt, Pfalz mit typischen Anklängen an Stachelbeere und Johannisbeere. Hier ist man bereit, ein Sternchen zu vergeben!

Ein Riesling darf im Reigen der typischen deutschen Reben nicht fehlen! Auf den

2019 Riesling (halbtrocken/feinherb??), Weingut Dipl.Ing. Rausch, Konz, Saar hätte man aber gerne verzichten können. Ein – natürlich völlig unprofessioneller! – Kommentar lautete „bäh“. Dem schließt sich der Schreiberling vollinhaltlich an! Dem Ingenieur ist manches zu schwör!!

Es folgte ein akklamierter guter Bekannter

2018 Auxerrois, Weingut Simon-Bürkle, Zwingenberg, Hessische Bergstraße. Er verdient sich immer wieder spielend einige Sternchen! Auch im Preis-Leistungs-Verhältnis. Und wird von allen, die ihn kennen, wiedererkannt!

In steigendem Maße findet in den letzten Jahren eine Rebsorte ihren deutschen Markt, der der Klimawandel zugutekommt. Als Referenz hat der Kellermeister

2018 Chardonnay Reserve trocken im Barrique gereift von Ernst Bretz, Bechtolsheim, Rheinhessen ausgewählt.

Und damit hat er – für deutsche Chardonnay-Kriterien – sicher keine schlechte Wahl getroffen. Am Ende muss man den deutschen Winzern eine eigene Chardonnay-Ausprägung zugestehen! Und in diesem Rahmen wurde dieses Produkt wohlwollend aufgenommen.

Als letzter der Gattung „weiß“ ergoss sich ein

2018 Gewürztraminer, Weingut Jülg, Schweigen, Pfalz in die Gläser. Für den Schreiberling hätte er das auch sein lassen können – aber das sind ignorante Vorurteile! Wo er hin passt, mag er durchgehen. Ein großer Vertreter seiner Zunft ist dieser aber nicht!!!

Die Abteilung „rot“ eröffnete

2015 Dornfelder trocken von Wörthmann, Lauffen, Neckar. Selbst 10 Monate Lagerung auf der Feinhefe im Holzfass helfen diesem Wein nicht wirklich. Wie formulierte es ein Verkoster?: Das Holz steht neben dem Wein!! Möge der so oft postulierte Dornfelder-Kelch an uns vorüber gehen! Auch fragt man sich, wie all dieser Aufwand für 5,65 € zu bewerkstelligen ist!?

Da kam mit

2017 Spätburgunder „S“ vom Weingut Kriechel, Bad Neuenahr-Ahrweiler schon ein ganz anderes Kaliber ins Glas. Ein würdiger Vertreter der deutschen Spätburgunder mit allen klassischen Attributen.

Abschließend

2017 Ursprung, Weingut Markus Schneider, Ellerstadt, Pfalz, eine Rotwein-Cuvée aus vorwiegend Cabernet Sauvignon, Merlot und Portugieser, teils im Holz ausgebaut. Da hatte der Kellermeister also doch noch einen Volltreffer im Gepäck. Ein Eleve von Bürklin-Wolf, der anfänglich mit tollen Etiketten auffiel, dann aber auch mit seinen Weinen nachzog! Man könnte meinen, einige Deutsche können auch Bordeaux!! Er gehört dazu!

Ein gelungener Schlussakkord einer Veranstaltung, in der der Versuch gelang, aus einer kleinen Auswahl einiges in der „Gewichtsklasse“ unter 10 € zu beleuchten. Könnte man beliebig fortsetzen – an Auswahl wird es nicht fehlen!! Dem Kellermeister galten die Dankesworte des BM und der wohlverdiente Applaus.

Die anwesenden Weingeschwister wurden durch eine großzügige Gabe der Abteilung Kunst und PR, namentlich Jola und Arnold Blaschczyk, in Form von 2 wunderschönen „Roll-Ups“ überrascht, die der Bruderschaft für derhin zur Zierde gereichen werden! Dank an die Beiden für eine großartige Idee und eine mehr als gelungene Ausführung!

Nachsatz: Die Beurteilung der Weine ist das Resultat einer aufwendigen Analyse der Aufzeichnungen des Schreiberlings und seines Ehegesponstes, geprägt von Unwissen und Vorurteilen des Ersteren. Sie erhebt daher keinen Anspruch auf Seriosität und mag grundlegend von dem Urteil des sachkundigen Wein-Kollegiums abweichen!