Protokoll der Verkostung vom 27. 11. 2019

Protokoll der 8. – und letzten – Weinverkostung des Jahres 2019

Nach einer ereignisreichen Jahres-Reise durch Deutschlands Weinbau-Regionen (mit gelegentlichen Seitensprüngen in das mehr oder weniger benachbarte Ausland!) scharte unser Kellermeister Alf Weiss einschließlich seiner selbst 26 Bacchus-Adepten um sich,
– im Einzelnen wohlgeordnet nach dem deutschen Alphabete die Paare Almuth & Maurice von Anshelm, Jola & Arnold Blaschczyk, Irene & Werner Fuhrmann, Erna & Ralph Gatzka, Frauke & Rainer Jüngst, Jutta & Olaf Krause, Doro & Sigi Luger, Roswith & Werner Müller (derer 5 hochdekorierte Doctores) sowie sozusagen solitär und eben so alphabetisch geordnet die Weingeschwister Rita Simon-Procter, Annette Tomik (um dem schönen Geschlechte den Vortritt zu lassen!), Hans-Günther Bausch, Axel Begere, Werner Fiebiger, Ernst-Dieter Irle, Jürgen Lanz und Peter Schardt – ,
um noch einmal hochnotpeinlich zu prüfen, was denn das tumbe Publico über die Zeiten aus seinen Colloquia gelernt und memoriert habe. Zu diesem Behufe hatte er den unergründlichen Tiefen seines Weinkellers 3 weiße und 7 (+1) rote Preziosen – alle mit dem Prädikat „GG” oder äquivalent versehen – entnommen. trefflich camoufliert und mit Nummern versehen.
Dem Ritus folgend bot zuerst die Abteilung „weiß”
– 2015 Steeger St, Jost Riesling trocken 12,5% alc., Weingut Ratzenberger, Mittelrhein; Nase Steinobstdüfte, Anklang von Kräutern; Geschmack enorme Frische, Kräuter; im Abgang Frucht Aromen (verkostet 31.10.2018).
– 2017 Breitengrad 51, Höhnstedter Kreisberg Weißburgunder 13.0% alc., Weingut Born, Saale-Unstrut; Nase Melonenduft, Geschmack feste Struktur, Vanille; hohes Burgunder-Niveau (verkostet 29.05.2019).
– 2015 Pettenthal Riesling, Weingut St. Anthony, Rheinhessen; spontan vergoren; Nase mit Blüten- und Zitronenduft, reifer fruchtiger Riesling; langer, eindrucksvoller Abgang.
Gelang es noch zwanglos die beiden Rieslinge als solche zu erkennen, wobei unsere Jola bei Ratzenberger einen Volltreffer in der Ansprache landete, so blieb der Weißburgunder trotz seiner„Nördlichkeit” ein Exot – da kann einer was!!! Der war uns schon bei der Erstverkostung aufgefallen!

Gerne würden so manche beim Weißen verweilt haben wollen, aber die Konvention schreibt für die dunklen Tage nun mal Rote ins Brevier, und so folgten Schlag auf Schlag

– 2011 Spätburgunder Im Sonnenschein, Weingut Ökonomierat Rebholz, Pfalz; in der Nase Zimt, Nelken, Kardamom; im Geschmack samtiges Tannin, geschmeidig, elegant; die Erklärung: Rebholz läßt die sorgsam geernteten Trauben 1 Woche vor der Gärung in der Kaltmazeration, damit die typischen Burgunderaromen stärker zum Ausdruck kommen ––– 20 Monate Faßlagerung und anschliessend 3 Jahre in der Flasche.

– 2013 Kreuzberg Schieferlay Spätburgunder, H.J. Kreuzberg, Ahr; auf Grauwacke mit Lehm durchsetzt, in der Nase Kräuteraromen, Duft nach Kirschen, im Geschmack feine Säure, leichte Tannine bemerkbar, ein Hauch Holz, mit langem Abgang (verkostet 25.05.2016).

– 2014 Cabernet Sauvignon Flemlinger Vogelsprung, Weingut Hagenbuch Pfalz; Diese Rebsorte ist Steckenpferd des Seniors, die nicht jedes Jahr ausgebaut wird (Reifegrad); Rotweine werden ausschließlich im Maischegär-Verfahren hergestellt, ein weicher CS deutscher Bauart, der zwar eine dichte Struktur besitzt – aber ohne Tiefe. Ihm fehlt die ausgeprägte Charaktereigenschaft der französischen Version, nämlich Cassis und Paprika, die hier nur ansatzweise zum Ausdruck kommt. (verkostet 27.02.2019).

– 2011 Spätburgunder Burgweg 13% alc., Weingut Knipser, Pfalz; auf Kalkmergelboden gewachsen, in der Nase als auch im Geschmack reife Himbeer-Aromen, Kirsche, Hauch von Schokolade und Kaffee, dürfte auf dem Höhepunkt sein (verkostet 27.02.2019).

– 2005 Dornfelder„Weingut” Espenschied, Horrweiler-Pfalz; 2 Jahre in gebrauchten Barrique-Fässern, dann 1 Jahr Flaschenlager; durch Ertragsreduzierung (20hl/ha) enorme Dichte, sehr weiche Struktur, für einen Dornfelder ungewöhnlich gut, der auch jetzt noch ein harmonisches Trinkvergnügen darstellt.

– 2012 Spätburgunder Recher Herrenberg, Jean Stodden, Ahr; auf Schieferverwitterungsboden/Grauwacke, Steilhang mit viel Sonneneinstrahlung, 21 Tage Maischevergärung, 19 Monate in neuen Barrique-Fässern, nicht filtriert, in der Nase feine mineralische Note, im Geschmack eine gute Balance von reifen Früchten, Veilchen erkennbar, mit typischen Graphittönen, die dieser Lage eigen ist, ein beeindruckender langer Abgang. (verkostet 27.02.2019, 25.05.2016).

– 2013 Schweigener Spätburgunder, Friedrich Becker, Pfalz; Muschelkalk prägt diese Becker Weine, von dem der Ausdruck stammt, dass man Weine mit dem Bauch macht!! In diesem Weingut werden alle Weine nach den Kriterien des klassischen Weinhandwerks hergestellt. Die Gärung erfolgt in offenen Eichenholzbottichen; In der Nase viel Würze, Sauerkirscharomen, auch im Geschmack wieder erkennbar, dichte Struktur, feine Holznote, normaler Abgang, dürfte auf dem Höhepunkt sein (verkostet 22.02..2017).

(Der guten Ordnung halber sei angemerkt, dass sich der secretarius bei der Ansprache der Weine teilweise auf Nase und Zunge des Kellermeisters beruft).
Womit der Marsch durch die verflossenen Verkostungen zu seinem Ende kam. Als Fazit konstatiert der secretarius: Das Erkennen der roten Reben gelang – mit Ausnahme des Dornfelder Unikats! – sozusagen spielend – aber bei diesem Exoten mußte selbst der Kellermeister konzedieren, dass es sich um eine einmalige Grille (eher Eintagsfliege!) eines wohlbetuchten Bankiers handelt – nicht verfügbar und damit akademisch – aber taugen tut er schon!!!!! Mit bewunderndem Erstaunen nahm das Wein-Kolloquium die erneute hohe „Trefferquote” unserer Internetbeauftragten zur Kenntnis – Jugend und Erinnerungsvermögen stehen wohl doch in kausalem Zusammenhang! Für den Rest gilt die Operettenweisheit: Glücklich ist, wer vergisst……
Hinsichtlich der Benennung der Winzer sieht die Sache schon verhaltener aus – als Eselsbrücke hätte man aber anhand der bekannten Präferenzen unseres Kellermeisters allerdings vermuten können, dass ein Stodden, Becker, Rebholz, Kreuzberg… in der Auswahl waren. Den Nachweis des hohen Sachverstandes und des guten Geschmacks trat er mit der Zusammenstellung zum wiederholten Male erfolgreich an – Das Volks war’s zufrieden und kaum frustriert ob der monierten Ignoranz…. wenn auch das seitens des Zuchtmeisters so titulierte Östrogen-Zentrum temporär seinen Unmut durch loses Geschwätz provozierte!!

Hinten drauf gab es dann trotz allen Lärmens noch ein besonderes Schmankerl:

– 2000 Pinot Noir Grand Cru Chambertin, Nicolas Potel, Burgund; aus 60….80 Jahre alten Reben in traditioneller Erzeugung…. ganz großer Grand Cru eben!! Hätte man noch Stunden ehrfürchtig geniessen können – der schloß dann auch die losen Schnuten!

So ging eine abwechslungsreiche Verkostung zur Zufriedenheit aller zu Ende, der der Autor mit Friedrich Rückert nachruft;

Man kann, wenn wir es überlegen,

Wein trinken fünf Ursachen wegen:

einmal um eines Feste wegen,

sodann vorhandenen Durst zu stillen,

in gleichen künftigen abzuwehren,

ferner dem guten Wein zu Ehren,

und endlich um jeder Ursache willen.

 

……auch wenn man nicht immer realisiert, was man im Glase hat.

In diesem Sinne beendet der secretarius seine protokollarischen Aktivitäten für dieses Jahr und bittet wie immer demütig um Nachsicht!