Protokoll Dom Hotel Limburg am 30.10.2019

Vorbemerkung

Es fällt dem secretarius schwer, ein dem Event angemessenes Protokoll zu schreiben! Zwar könnte er es sich leicht machen und, der Chronologie folgend, emotionslos den Gang der Dinge beschreiben. Dies würde aber weder unserer Sommelière noch den Weinen Gerechtigkeit antun!! So wird also im Folgenden der Spagat zwischen Elysium und Katastrophe versucht!

Der Reihe nach

50 erwartungsvolle Weingeschwister nebst Partner*innen einschließlich erfreulicher 16 Gäste sowie ein Vertreter der Presse nebst Anhang versammelten sich um die abendliche siebente Stunde um sieben (man hätte es wissen können: Die „böse“ 7!!!!) wohl gedeckte und von den Damen Fuhrmann und Fiebiger hübsch dekorierte Tafeln, wurden von den Herren des Vorstandes sowie dem Stargast des Abends begrüßt und von dem Bruderschaftsmeister aufs das Herzlichste willkommen geheißen.

Dem secretarius oblag es, Natalie Lumpp zu begrüßen. Er tat dieses, indem er auf die Auszeichnungen und Titel der im wahrsten Sinne des Wortes „sehr geehrten“ und allseits bekannten Weinkennerin hinwies. Allein schon Herkunft und beruflicher Werdegang legitimierten sie als Botschafterin des südwestlichen Weinbau – Regionen Deutschlands. Der Willkommens-Applaus des Auditoriums, das mit einigen langjährigen Verehrern bestückt war, bestätigte die Vorschuß – Lorbeeren!

Angemessen war zum Auftakt der mit 100 Punkten bemessene 2013 Winzersekt aus dem Hause Aldinger, der die Herzen aller höher schlagen ließ. In klassischer Zusammensetzung zu je 35% Chardonnay, Pinot Meunier und 30% Pinot Noir hält er mit jedem Champagner mit!

Die dazu gereichten in Leder eingeschlagenen Backpflaumen? oder Datteln? oder was auch immer trübten die Stimmung vorerst wenig.

Ein kleiner Exkurs über die Namensgeber großer Champagner im 19. Jahrhundert belegt den Beitrag deutscher Häuser zur glorreichen Geschichte der Schaumweine: Bollinger, Taitinger, Krug und Mumm! Und was die Schaumweinsteuer und die Kriegs-Flotte des deutschen Kaiserreichs mit dem Begriff Winzersekt zu tun haben, war dann auch bald geklärt.

Eloquent die Systematik der deutschen Wein-Klassifizierung erklärend gelang Frau Lumpp der Einstieg in die Weißweine mit den großen Gewächsen der Weingüter Andreas Laible aus dem klassischen Riesling-Gebiet Ortenau und Moritz Haidle aus dem eben so klassischen Remstal – beides Säulen der deutschen Riesling-Kultur – Früchte pur, „Äpfele“, Pfirsich, Melone, Ananas, – betont salzig und metallisch im Abgang! Und doch so verschieden von den Rieslingen der rheinländisch-pfälzischen Regionen und ihrer Zuflüsse!

Wer dazu auf Quiche Lorraine gehofft hatte, mußte sich gedulden!

Es folgten zwei Sauvignon Blanc, die „In“ – Weißweine des beginnenden 21. Jahrhundert nach Chablis in den vergangenen achtziger und Chardonnay in den neunziger Jahren: Bernauer Sauvignon Blanc aus dem Hause Markgraf von Baden und Sauvignon Blanc Reserve „AB“ von Alexander Bauer aus dem württembergischen Unterland. Beides laut Definition des Vortrages „Junge-Leute-Weine“ – fruchtig, prickelnd, mit Anklängen von Paprika bis Johannisbeere.

Natalie Lumpp konzidierte in diesem Kontext zwar die Individualität der Sinneswahrnehmungen in Nase und Mund, machte allerdings auch deutlich, dass moderne Methoden der Gas – Chromatographie objektiv die Aromen der genannten Früchte in den Weinen nachweisen!

Bevor es zu nächsten Abteilung ging, erschien verschüchtert eine bleiche und unterkühlte Quiche nebst kargen Salatblättchen – in der Vorstellung des secretarius hätte sie lauwarm sein sollen!!

Die dritte Runde „weiß“ galt den Weißburgundern, beides große Gewächse – ausgewiesen als Im Leh „GG“ von Franz Keller und „S“ bei dem Weingut Dautel, beide im Barrique – Ausbau, beide durchgegoren und ob ihrer Stabilität Zukunftsweine – unbestritten waren die aufgekorkten Jahrgänge zu jung!

Die weiteren laut Speisenkarte avisierten Quiche-Variationen ließen bis weit nach Ende der Veranstaltung auf sich warten!!

Bevor es zu den „Roten“ ging, gab es noch einige Einordnungen zu den Weinbau-Regionen: In Baden werden auf 16.000 ha, in Württemberg auf 11.500 ha Reben angebaut, wobei 70% der Winzer genossenschaftlich organisiert sind. Der Trollinger gilt nach wie vor als das schwäbische Nationalgetränk; dennoch ist die wichtigste Traube der Spätburgunder, in der Verkostung vertreten durch die Weingüter Huber aus dem Breisgau mit 2016 Malterdinger Spätburgunder Alte Reben und dem Weingut Maier aus dem Remstal mit 2016 Breuningweiler Haselstein, Spätburgunder „vom Stein“. Das badische Produkt wurde als bester Spätburgunder Deutschlands bewertet – warum bleibt dem tumben secretarius verborgen!!

Spätburgunder haben wegen ihrer vergleichsweise dünnen Schale eine hellere Farbe. Typische Kirscharomen mit Anklängen von Zimt und Nelken lassen sich gut mit Schmorgerichten , Geflügel und Weißschimmelkäse kombinieren.

Folgerichtig wurden im Hauptgang Kalbsbäckchen mit Spätzle und Rahmspitzkohl serviert – den Rahm suchte der Protokollant vergeblich! Auch schien die Chose wenig geschmort und wieder aufgewärmt!

Folgte als letzte Abteilung ein Paar Lemberger/Blaufränkisch der Weingüter Seeger aus dem Kraichgau und Drautz-Able aus dem württembergischen Unterland bei Heilbronn, letzterer im Barrique ausgebaut mit starken Vanille-Noten. Unsere Referentin sagte dieser Traube in Deutschland eine große Zukunft voraus!!!!

Dazu wurden lieblos zubereiteter Pecorino – und Weißschimmel – Käse serviert.

Manche Anekdote und Charakterisierung ergänzten das Panorama süddeutscher Weinkultur, trefflich vorgetragen – authentisch mit leicht badischem „Akzentle“. Alles zeugte von profundem Fachwissen und vom Talent der Referentin, die eine herausragende Botschafterin des Kulturgutes Wein ist und mit leichter Hand und geschliffener Rhetorik auch komplexe Sachverhalte darlegen kann.

Und so wurde im Schlußwort des secretarius aus der sehr „geehrten“ am Ende die sehr „verehrte“ Natalie Lumpp, die den Abend mit Ihren Weinen und ihrer Präsentation „am Leben erhielt“ und verdientermaßen lang anhaltenden Beifall einheimste. Allerdings grauste dem secretarius bei der Vorstellung, dass der Lemberger der deutsche „Rote“ der Zukunft sein soll! Da haben wir schon besseres getrunken – und nicht nur aus dem Ausland!!

Nach Freigabe der Neigen blieb Zeit zur Aussprache, und viele Anwesende erwarben noch signierte Kopien aus dem umfangreichen schriftstellerischen Schaffen unserer Referentin.

Fazit eines in mancher Beziehung denkwürdigen Abends: Bacchus schlägt Lukullus um Längen, womit man man Letzterem Gewalt antut – was kann er für die handwerklichen Schwächen der Küche? – von der „Papierform“ hatte er die Chance zu reüssieren – aber Papier ist bekanntermaßen geduldig – wie auch dieser Versuch eines Protokolls zeigt!!