Libiamo né lieti calici…………..
(Laßt uns aus dem Kelch der Freude trinken………..) singt Alfredo in dem I. Akt der Oper La Traviata von Guiseppe Verdi aus voller Kehle und in eben solchen Sektkelch oder Champagner-Flöte oder was auch immer…….
Protokoll der Verkostung vom 24. 04. 2019
Dies in Erinnerung habend und die Einladung des Bruderschaftsmeisters annehmend ergriff unser Kellermeister das Wort und zahlreiche Kelche und Flöten, erläuterte anhand selbiger die Historie der zum Champagner-Trinken geeigneten Gefäße, zerbrach sich erfolglos den Kopf ob der Problematik der Reinigung einiger, machte einen Exkurs in Sachen Damen-Mode der Belle Epoque, begründete die daraus erforderliche Einführung der Champagner – Schalen zur Wahrung der Contenance durch Verminderung der Perlage und stellte fest, dass Champagner als erstes kommerzielles Luxusgut überhaupt zu verstehen sei, dessen Erfolgsgeschichte auch heute noch mit jährlichen Produktionssteigerungsraten von mehr als 10% fortgeschrieben wird.
Dies vorausgeschickt folgten einige Definitionen in Sachen Champagner, der in der namensgebenden Region traditionell aus den drei Rebsorten Chardonnay, Pinot Noir und Pinot Meunier hergestellt wird.
Seit die Europäische Union 1986 den Begriff als exklusiven Markennamen der Champagne zugeordnet hat, verbietet sich der Gebrauch des Namens für alle anderen Schaumwein herstellenden Regionen dieser Erde – auch bei identischen Produktionsmethoden! Folgerichtig heißen sie andernorts nun eben Cremant, Cava, Spumante, Perlwein, Schaumwein, Winzersekt, usw. usf..
Wie so oft, wenn es um Alkohol geht, ist es den Engländern und ihrem Durst zu verdanken, dass der Schaumwein überhaupt überlebte. Die französischen Mönche, denen der „Wein des Teufels“ regelmäßig ob der ungeeigneten Flaschen um die Ohren flog ( und die deswegen bei der Herstellung Eisenmasken trugen!), wollten eigentlich von der Flaschengärung weg, Da aber der Wein in Fässern nicht stabil war und in schöner Regelmäßigkeit zu Essig mutierte, wurden die Versuche namentlich u.a. durch den Benediktiner- Mönch Dom ( eigentlich Pierre) Perignon (1638…..1715) über mehr als 70 Jahre bis zum Erfolg fortgesetzt.
Hier kurz das technische Rüstzeug zur Méthode Champenoise: Zuerst wird aus Most durch alkoholische Gärung ein Grundwein (Stillwein) erzeugt. In einigen Fällen erfolgt danach eine malolaktische (biologische) Fermentierung zum Abbau von Säure, bei der Apfelsäure in Milchsäure umgewandelt wird. Nach Zugabe von Hefe erfolgt die Gärung in den Originalflaschen, die nach der Füllung mit einem Kronkorken verschlossen und für per Gesetz mindestens neun Monate in einem kühlen Keller gelagert werden. Danach werden die abgestorbenen Hefen durch Drehen der Flaschen in den Flaschenhals bewegt. Früher wurden dafür Rüttelpulte eingesetzt, heute drehen und neigen Maschinen jeweils 200……500 Flaschen um zwei Achsen. Der Hefe-Pfropf wird anschließend durch „Degorgieren“ im Kältebad bei -20°C entfernt. Durch die „Dosage“ (Zugabe von in Wein gelösten Zucker) erhält der fast zuckerfreie Schaumwein seine Süße je nach Charakter und Stil des Endproduktes.
Nach so viel Erleuchtendem lechzte der trockene Gaumen nach Erfrischendem! Zwar knallten auch die ersten Korken (nur sinnbildlich, denn die Hilfskräfte verstanden es perfekt, die Flaschen ohne die üblichen Geräusche zu öffnen!), aber bevor Erquickung nahte, gab es noch eine Lektion in korrektem Einschenken (das innen feuchte Glas in leichten Winkel horizontal halten und das Nass tangential einlaufen lassen, auf dass die Perlage nicht verloren geht!)
Und dann war er endlich in den Kehlen!
– Winzersekt Ratzenberger Spätburgubder brut 2008, 13.5% alc., aus dem Großen Gewächs „Fürstenberg“, nach 9 Monaten degorgiert und 94 Monate auf der Flasche gereift! Sozusagen ein mittelrheinischer Paukenschlag zum Auftakt! Der schmeckte nicht nur wegen des allgemeinen Dursts. Kann sich mit vielem und manchen messen und schlug in der 2006er Edition unlängst bei einer Blindverkostung in den USA den „Krug“! (Und das bei einem moderaten Preis von 10€!!)
Flugs folgte
– Vilarnau brut Catalonia Cava 2011, 11.5% alc., RZ 3.0 auf der Basis von Chardonnay. Ergänzend führte unser Kellermeister aus, dass die Bezeichnung „Cava“ auf untertägige Lagerung verweist , während „Bodega“ eine überirdische Einhausung ausweist. Nach spanischer Norm hat der Alkoholgehalt zwischen 10.8 und 12.8% zu liegen. Eine Gran Reserva muß mindestens 30 Monate auf der Hefe bleiben.
Im Vergleich zu Ratzenberger blieb der Kandidat unauffällig und erzeugte wenige Emotionen.
Damit waren dann die „kleineren“ Verwandten abgetan, und ab sofort gab es ausschließlich das, was man per Konvention aus Champagner bezeichnet:
– Hervé Mathelin Brut Rosé 12% alc. , Dosage 9g/l
aus 60% Chardonnay, 20% Pinot Noir (als blanc de noir) und 20% Pinot Meunier (dieser rot vinifiziert). In der Tat „brut“ und damit unähnlich zu vielen Rosés!
– André Robert „Séduction“ 2009, 12%alc. aus jeweils 50% Chardonnay und Pinot Noir (letzterer in kleinem Barrique vinifiziert), ohne malolaktische Fermantation, 8 Jahre Flaschengärung, 2018 degorgiert, Dosage 4 g/l. Hier zeigt ein kleiner Hersteller in der dritten Generation, was er kann! Bei schöner Hefe lobt das Publikum einhellig!! In der Tat eine Verführung!
– Perrier-Jouêt Belle Epoque 2012, 12.5% alc., 50% Chardonnay, 45% Pinot Noir, 5% Pinot Meunier, Dosage 8g/l mit, wie schon die Flasche andeutet, schönen floralen Noten.
– Pol Roger Epernay brut 1995 Magnum, 12%alc. 60% Pinot Noir, 40% Chardonnay, 2017 degorgiert! Steht wie ein Baum bei unvergleichlicher Frische! Gilt als der beste Jahrgang nach 1990: das kann man auch ohne Vergleich zwanglos akzeptieren!
Durch ein Versehen der Entkorkungs – Abteilung wurde der vom KM als letzter vorgesehene Vertreter vorgezogen
– Veuve Cliquot Extra Brut Extra Old 12% alc, eine Assemblage von Grand Crus verschiedener Jahrgänge mit der Zielsetzung, weitere Höchstleistungen zu erzielen; seit wenigen Jahren auf dem Markt als Spitzenprodukt platziert. Rebsorten; Pinot Noir, Chardonnay, Pinot Meunier.
Im Vergleich zu
– Veuve Cliquot La grande Dame 2006, 12%alc. werden die „Extras“ weniger geschätzt! Vielmehr entspricht die große Dame den Vorstellungen und Erwartungen der Versammlung weit mehr.
Noch einige Kommentare und Erläuterungen unseres KM zur Witwe: Erfinderin des Rüttelpults. 1810 Produktion des ersten Jahrgangs – Champagner. Erster Exporteur in das Ausland. La grande Dame seit 1972 auf dem Markt. Inzwischen ist das Unternehmen an die Luxusmarke Louis Vuitton verkauft.
– Drappier Brut Nature 12%alc. ist etwas für Puristen: 100% Pinot Noir? bei einer Dosage von 0g/l!!! Interessant!!
Schlußendlich offeriert der Kellermeister einen weiteren
– André Robert: „Les Jardins du Mesnil“ Blanc de Blanc 2010 Grand Cru, 100% Chardonnay, der den guten Eindruck unterstreicht, den schon seine „Séduction “ hinterlassen hatte.
Wenn man nun ein Fazit aus den äußerst unterhaltsamen Präsentationen, Erläuterungen und Erfahrungen ziehen will, so drängen sich dem Protokollanten folgende Impressionen auf:
– alle verkosteten Sekte, Cavas und Champagner standen, unbeschadet ihrer Alter frisch und kräftig im Glas – auch jener aus dem vergangenen Jahrhundert!
– bei allen war die Perlage fein, kräftig und aushaltend.
– Wenn auch die „großen“ Franzosen im dreistelligen Bereich gehandelt werden, so konnte der Vertreter der deutschen Winzersekte auch bei kleinem Geld reüssieren!
– Die teilgenommen habenden Weingeschwister hatten einen merkbaren Lustgewinn und durchaus einiges zu lernen in dieser Veranstaltung. Der Ruf nach mehr wurde laut!
Dem Kellermeister sei’s gedankt, der keine Mühen gescheut hatte, das zu Vermittelnde begreiflich und genüßlich zu machen – nicht zuletzt mit der Hilfe seiner Angetrauten und des Bruderschaftsmeisters, die sich der Aufgabe des Ausschenken trefflich und mit Erfolg widmeten.
Auch das Nach – Kolloquium erfüllte alle Erwartungen und endete mit dem Dank an den Hausherren des Bürgerhauses Staffel.

