Frühling läßt sein blaues Band…………………..
Protokoll
Präsentation und Verkostung Weingut David Spies
im Kolpinghaus am 27. 03. 2019
Nachdem der Kalender vor einer Woche den Frühlingsanfang versprochen hatte -das Wetter hat den Termin allerdings ignoriert!- trafen sich erwartungsfrohe Weingeschwister nebst Partnerinnen
– im Einzelnen Hans-Günther Bausch, Jola&Arnold Blaschczyk, Johanna&Werner Fiebiger, Irene&Werner Fuhrmann, Erna&Ralph Gatzka, Christa&Heinz Huth, Jutta&Olaf Krause, Jürgen Lanz,Dorothee Benner-Luger & Sigi Luger, Gabriele Schreiner & Manfred Hammes, Anna&Peter Sliwa, Anette Tomik, Gabi&Alf Weis(s)
zur Feier desselben in Form einer Verkostung rheinhessischer Weine aus der Hand und den Kellern des Weingutes Spies aus Dittelsheim – Hessloch, das in personam durch den neuen Chef David vertreten war. Voraus geschickt sei, dass neben Spies auch Steinschleudern, David und Goliat(h) eine Rolle in der Veranstaltung spielten. Dennoch war es insgesamt eine recht friedfertige Veranstaltung!
Nachdem der Bruderschaftsmeister die Teilnehmer gebührend begrüßt und eine Weinschwester gekonnt mit den Insignien unserer Bruderschaft verziert hatte, begründete der secretarius die Wahl des Weingutes Spies in den positiven Erfahrungen mit dessen Weinen und insbesondere mit der Experimentierfreudigkeit des Junior – Chefs, der in den letzten Jahren einige interessante Kreationen auf den Markt gebracht habe. Dieses gesagt übergab er das Wort an den – wie der Italiener sagen würde – Anfitrione des Abends.
In der dritten Generation bewirtschaftet das Familienunternehmen seit 1958 21 Hektar Anbaufläche, baut zu 65% weiße Reben (in der Hauptsache Weiß- und Grauburgunder, Riesling, aber auch Chardonnay, Sauvignon Blanc und Silvaner) und ein Drittel rote Trauben (Spätburgunder, Merlot, St. Laurent, Portugieser) auf tertiären Terroir (hauptsächlich, Lößlehme, Mergel und Kalkstein) an. Grundsätzlich finden Herbizide auf dem Weingut keine Verwendung. Mit dem im vergangenen Jahr vollzogenen Generationenwechsel von Vater Uwe auf Sohn David hat nun letzterer „den Hut auf“.
In der ersten Abteilung der Verkostung kamen Guts- und Ortsweine des Jahrgangs 2018, die in diesen Tagen abgefüllt wurden, in die Gläser. Dazu wurde das Jahr durch seine klimatischen Eigenschaften (hohe Temperaturen und Sonnenstunden) als in der Wahl der idealen Weinlese – Daten problematisch eingeordnet. Insbesondere spielt bei einer zu frühen Lese die Gefahr eines späteren untypischen Alterungstons (UTA) eine wesentliche Rolle.
Auch wenn es manchem Puristen – aus prinzipiellen Erwägungen!? – schwer fiel, diese jungen Weine positiv zu bewerten, so fiel doch auf, dass die Witterung ihre Spuren in den Weinen hinterlassen hat, fallen sie dich in der Regel kräftiger, mineralischer, und farbintensiver aus. So ist der Weißburgunder durchaus von einer ungewöhnlichen Intensität. Gleiches gilt für den Merlot Rosé, dessen Farbe beeindruckend ist. Nicht ohne Grund war er schon in der Vergangenheit ein Verkaufserfolg, was nicht Wunder nimmt, wenn man den allgemeinen Trend zu Rosé-Weinen zugrunde legt. Beide Weine sind – zugegebenermaßen – für den alsbaldigen Gebrauch ausgebaut.
Gleiches gilt für „wurzel & wind – wine for friendship“, einer spritzigen Cuvée aus Sauvignon blanc und Silvaner, deren Erlös zu 25% für landwirtschaftliche Projekte in Uganda zur Verfügung gestellt werden – ein Gemeinschaftsprojekt zahlreicher Winzer, das eigentlich zum Trinken dieses Weines verpflichten sollte.
Die Dittelsheimer Grauburgunder trocken und Dittelsheimer Sauvignon blanc trocken stehen trotz ihrer Jugend typisch im Glas, der Grauburgunder mit gutem Volumen und deutlicher Mineralität und der Sauvignon blanc elegant und spritzig. Beiden darf man für die kommenden 2-3 Jahre einiges zutrauen. meint der secretarius.
An den Cuvées 2017 „Steinschleuder“ (Chardonnay + Weißburgunder im Tonneau ausgebaut) und 2016 Davids Goliat (Merlot + St. Laurent + Portugieser, 2 Jahre im Barrique auf der Feinhefe gereift) schieden sich dann die Geister; während die Puristen mancherlei an Konzept und Mischungen auszusetzen hatten, erfreute andere die Harmonität und Rundheit dieser Weine. Zu loben ist Davids Mut mit der Steinschleuder gegen den Hünen anzutreten – eine Idee, mit der keiner rechnet! Wie der Kampf ausging, ist allgemein bekannt. Und so kam der secretarius nicht umhin, seine Anerkennung auszusprechen und seine Affinität zu diesen Weinen zu bekunden – wenn jetzt nur dem Goliat noch das „h“ mit der Alterung wachsen möge!!
Zurück in konventionelle Bahnen ging es dann mit den reinlagigen 2017 Leckerberg Riesling trocken (mit einer elegant verdeckten Säure) und 2016 Blutmond Spätburgunder trocken – ersterer vollmundig und mineralisch, der sich mit manchen Spitzen-Rieslingen von der anderen Rheinseite messen kann; der zweite ein für sein Alter schon erstaunlich erwachsener Roter, der etwas von der Rotwein – Liebe des Erzeugers widerspiegelt. Beide Weine können als idealtypisch für die Region eingestuft werden.
Zum Abschluß gab es dann noch einen 2015 Leckerberg Riesling Auslese edelsüß, dem man aber noch eine gute Restsäure nachsagen konnte. Wer es mag………..
Zusammenfassend war es ein erfrischender Abend, an dessen Ende konstatiert werden kann, dass es inzwischen eine erfreulich große Zahl jüngerer Winzer gibt, die „sich was trauen“ und auch den Mut haben, die ausgetretenen Pfade regionaler Winzertraditionen zu verlassen und Neues zu riskieren. Natürlich wird da nicht immer alles gelingen – aber wie man so sagt „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!“ – und jeder Jahr ist jeder Wein anders!
Dem Vortragenden darf bescheinigt werden, dass er seine Thesen und Ansichten mit großem Sachverstand und mit Überzeugung vortrug. Auch bei kritischen Einreden war ihm die Butter nicht vom Brot zu nehmen!
Meint der Protokollant!!