Deutschland – Frankreich Teil 2
Große Gewächse – Premier Crus – Grand Crus – Exotische Raritäten
Protokoll (ad usum delfini!) der Verkostung vom 28. 11. 2018
In der letzten Veranstaltung des Jahres 2018 wollte unser Kellermeister Alf es noch mal auf die Spitze treiben! Nach sorgfältiger Durchforstung seiner bescheidenen Bestände musterte und photographierte er vier deutsch – französische Wein-Paare nebst zwei verdeckten Exoten, betätigte den Drucker und erschien wohl präpariert sowie in Begleitung seiner Gattin vor einem hoch gespannten Auditorium bestehend aus den Weingeschwistern Jola & Arnold Blaschczyk, Erna & Ralph Gatzka, Gabriele Schreiner & Manfred Hammes, Jutta & Dr. Olaf Krause, Dr. Dorothee Benner-Luger & Dr. Sigi Luger, Roswitha & Dr. Werner Müller, Mady & Just Scheu, Dr. Anna & Dr. Peter Sliva, Hans-Günther Bausch, Axel Begeré nebst Gästin Usch Decker, Ernst-Dieter Irle und Jürgen Lanz. Durch Anwesenheit fiel weiterhin der Unterzeichner dieses Protokolls auf.
Nach förmlicher Begrüßung durch den Bruderschaftsmeister und einen kurzen Rückblick auf die seitens der Vorstandes geleistete Arbeit ergriff der Referent das Wort und Heft des Handelns, welches er für die folgenden 150 Minuten unter ständigem Klingeln heroisch verteidigte.
In den Präliminarien präsentierte er Feststellungen wie „es macht keinen Sinne, die völlig verschiedenen Weinkulturen Frankreichs und Deutschlands anhand von gleichen Rebsorten vergleichen zu wollen, insbesondere verhindert das die Vielfalt der französischen Rebsorten“ oder “ dieser Abend ist ein reiner Genuss-Abend, an dem man sich unbefangen an den exzeptionellen Weinbeispielen erfreuen solle“. Nachdem er sich insoweit exkulpiert hatte, wies er noch darauf hin, dass per Definition in der Verkostung nur gereifte, aber keine alten Weine (>20 Jahre) kredenzt würden – mit Ausnahme eines Pinot Noir aus dem Jahre 2005, wie sich zeigen sollte. In diesem Zusammenhang(?) verwies er darauf, dass 1947 ein großer Jahrgang war und ist. Unklar bleibt, ob er sich dabei auf die Weine oder das Geburtsjahr – nicht nur! – seines Ehegespinstes bezog. Aus Selbstschutzgründen unterbleiben dazu weitere Kommentare. Schließlich verstieg er sich zu Feststellungen über die weißen Hauptrebsorten in den beiden Ländern, die der Unterzeichnete wie folgt frei interpretiert: Was dem Deutschen sein Riesling, ist dem Franzosen sein Chardonnay.
Folgerichtig waren die beiden ersten Paare dann auch deutsche Rieslinge (ist der Plural korrekt oder heißt es Rieslings?), namentlich
2008er Bacharacher Wolfshöhle Riesling trocken GG, Weingut Ratzenberger 12,5%alc. Mittelrhein
2011er Mandelpfad >GG< Riesling , Weingut Knipser, Pfalz
und französische Chardonnays, im Einzelnen
2009er Viré Clessé Chardonnay „Cuvée spéciale“, Domaine André Bonhomme 13,5%alc., Macon – Burgund
2016er Beaune 1er Cru „Clos des Bouches“ Chardonnay, Domaine Brigitte Berthelemot, Burgund,
letztere, wie es sich für Chardonnays gehört, umfänglich im Holz ausgebaut. Die Ausführungen des Kellermeisters in der Besprechung belegen seine Passion für diese Rebsorte in der neuen Art der Weinbereitung in Frankreich im Vergleich zu früheren Usancen. Dem Publikum war es recht, und den Weinen wurde angemessener Respekt gezollt!
Es folgte der erste „Exot“ in Blindverkostung. Schon die Bestimmung der Provenienz endete in einem Desaster, obwohl doch nur zwei Länder zur Auswahl standen! Am Ende lüftete unser Kellermeister den Schleier, will sagen zog den Strumpf von der Flasche, und stellte den Wein als
2002er Mas de Daumas Gassac, Blanc de Raisins Blanc 13%alc., aus den Vallée du Gassac, Languedoc-Roussillon
vor, einer Cuvée aus jeweils 25% Viogner-, Chardonnay- und Manseng-Reben sowie weiteren 16 seltenen Rebsorten. Demzufolge ist einen Klassifizierung konventioneller Art ein bestenfalls akademisches, aber fruchtloses Unterfangen für normale Sterbliche. Kryptische Hinweise auf Mikro-Organismen im lokalen Terroir helfen da nicht wirklich weiter.
Eines aber sei gesagt – saugut schmeckte er!
Da es ihn aber so gut wie kaum auf dem Markt gibt, ist das alles eine flüchtige Bekanntschaft!
Womit die Abteilung Weissweine abgearbeitet war, und man sich mit
2003er Lorcher Schloßberg Spätburgunder Auslese trocken, Weingut Asbach-Kretschmar, Rheingau
einem würdigen Verteter der deutschen Rotweinzunft zuwenden konnte. Leider ist auch der schon ausgetrunken! Der secretarius tut an dieser Stelle Abbitte, hat er doch diesen Winzer bislang eher gering geschätzt – aber bislang hatte er auch noch keine großen Gewächse dieser Provenienz im Glas.
Diesem Spätburgunder wurde nun eine der ganz großen Rotwein – Cuvées gegenübergestellt:
2008er Troplong Mondot 1er Grand Cru Classé 14.5alc., Chateau Mondot, Saint Emilion, Bordeaux
mit 90% Merlot und 10% Cabernet Franc – eine Granate, die, so die einhellige Meinung, noch lange nicht auf den Höhepunkt ist. Spekulationen über Grabbeigaben machten die Runde…….
Auch mit den zweiten Exoten gelang es dem Kellermeister weitestgehend, das Auditorium aufs Glatteis zu führen. Konnte sich eine schwache Mehrheit in Sachen Provenienz noch für Deutschland entscheiden (einige Mutige wagten sich sogar noch in die Pfalz vor), so scheiterte man mit einer Ausnahme kläglich an der Rebsorte!
Die schlichte Wahrheit auf dem Etikett verkündete
2007er Fingerprint Sankt Laurent trocken im Barrique gereift, 13.5%alc. Weingut Schönlaub Gleiszellen, Pfalz.
Ahas und Ohos von allen Seiten nebst den üblichen Richtigstellungen über Art und Herkunft der Laurenzit – Traube. Wieder ein Beweis, wozu deutsche Rotweinmacher fähig sind!!
Somit wurde die vermeintlich letzte Runde eingeleitet mit
2011 Herrenberg Spätburgunder GG, Weingut Jean Stodden, Ahr
1995 Chambolle-Musigny 1er Cru „Les Sentiers“ Pinot Noir 13%alc., Domaine Hervé Sigaut, Burgund
Der Referent ließ seiner Verehrung für den Ahr-Winzer freien Lauf, sparte auch nicht an Lob für den Burgunder, holte sich gebührende Zustimmung im Auditorium, beklagte gemeinsam mit eben diesem die hohen Preise an der Ahr, hielt sie aber im Wesentlichen für gerechtfertigt.
Voll des Lobes vermeinte der Bruderschaftmeister den Referenten und den Abend über den grünen Klee loben zu können, aber da hatten vortragender nebst Gattin dann doch noch einen Pfeil im Köcher
Cremant 2010, Domaine André Bonhomme, Macon – Burgund
nebst süßen bunten Burgunder Confiserie – Spezialitäten, die auf der letzten Expedition eben dort erworben wurden und in sterilen Handschuhen serviert wurden. Zu erwähnen bleibt, dass der Cremant nicht etwa der kleine Bruder des Champagner ist, sondern nur wegen Markenschutz nicht den großen Namen tragen darf – das kommt uns doch aus anderen Regionen bekannt vor?!
So fand ein großer Abend offiziell seinen Abschluß in gebührenden Lobgesängen auf den Veranstalter nebst der Bemerkung, dass man aus Sicht der Weinbruderschaft das Jahr 2018 mit Fug und Recht auch das Jahr des Alf Weiss nennen kann – ein Vorzug, für die uns zumindest eine Hälfte der US – Amerikaner beneiden dürfte – unsere Pfälzer (Weine) waren um Längen besser und verträglicher als die manche Enkel der Region!
Nachdem viele fleißige Hände den Tatort in akzeptable Form zurückversetzen, dauerte das Nach – Kolloquium für einige bis nach Mitternacht. Es gilt die Schutzbehauptung, dass es keine Droschken gabt……….
Hiermit stellt der secretarius seine protokollarische Tätigkeit für dieses Jahr ein und droht allenfalls noch einige Ankündigungen von Veranstaltungen für das kommende Jahr an.
In diesem Sinne
PROSIT! und auf ein Neues!